22. November 2017

Wie können Christen die Gesellschaft prägen?

Quelle: idea.de

v.l.: SMD-Reisesekretär Wolfgang Tarrach, der politische Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio, Markus Spieker, und seine Schwester und Moderatorin Gabriele Spieker. Foto: idea/Grasse

v.l.: SMD-Reisesekretär Wolfgang Tarrach, der politische Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio, Markus Spieker, und seine Schwester und Moderatorin Gabriele Spieker. Foto: idea/Grasse

Schwäbisch Gmünd (idea) – Christen haben nicht viele Möglichkeiten, die gesellschaftliche Entwicklung zu beeinflussen. Das erklärte der politische Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Markus Spieker (Berlin) bei der Pfingsttagung der Akademiker-SMD (Studentenmission in Deutschland).
 

Sie findet vom 21. bis 24. Mai in Schwäbisch Gmünd statt. Nach Spiekers Ansicht scheitert das Bemühen von Christen, biblische Werte allgemein verbindlich zu machen, meist daran, dass persönliche Voraussetzungen fehlen. Erfolgreiche Menschen zeichneten sich nicht nur durch Selbstdisziplin und Kreativität aus, sondern brächten meist auch ein günstiges familiäres Umfeld mit. So habe der Gründer des Computerkonzerns Microsoft, Bill Gates, schon mit zehn Jahren von seinem Vater einen hochwertigen Computer erhalten, wie ihn sich seine Altersgenossen erst 20 Jahre später leisten konnten. Das habe ihm das Ausprobieren neuer Techniken erleichtert. Den meisten Christen, so Spieker vor rund 500 Besuchern, fehlten solche Vorteile.

Christen wollen keine Macht

Auch wollten die meisten Christen eigentlich etwas ganz anderes, als die Gesellschaft zu prägen. Familie, Freunde und Gemeinde seien ihnen meist wichtiger als Beruf, Ansehen und Macht. Den Glauben dürfe man Menschen nicht mit Gewalt aufdrängen; das unterscheide missionarische Aktivitäten vom Alltag in Betrieben oder der Politik, wo Mitarbeiter oft nur als Mittel zur Durchsetzung eigener Ziele betrachtet würden.

Will ich dazugehören?

Der Journalist riet Christen, sich auf ihre Kernkompetenz zu besinnen. Sie sollten ihre Gemeinden und Gottesdienste so attraktiv gestalten, dass Fremde dazugehören wollen. Interessant seien Erfahrungen, wie man das Leben mit Höhen und Tiefen meistert. Dabei müsse man sich an den Bedürfnissen Außenstehender orientieren. Männer wollten keine lange Ansprachen und Lobpreiszeiten, sondern Informationen über Wesentliches. Der frühere Rektor des Albrecht-Bengel-Studienhauses in Tübingen, Rolf Hille (Heilbronn), schlug einen Ausbau von Frühstückstreffen für Frauen vor. Damit bewirkten Gemeinden oft mehr als mit großen Evangelisationen.

Akademiker als Mentoren für Nachwuchskräfte

Die Akademiker-SMD wird seit Ende letzten Jahres von dem promovierten Physiker Alexander Fink (Marburg) geleitet. Sie besteht aus mehr als 40 Fach- und Regionalgruppen und erreicht mit ihrer Zeitschrift „Transparent“ etwa 15.000 Leser. Ziel sei, Akademikern ein Forum zu bieten, „damit Glaube, Denken und Handeln eine Einheit bilden“, sagte Fink gegenüber idea. An Bedeutung gewinne der Erfahrungsaustausch über Generationen hinweg. So seien Mentoren für Nachwuchskräfte gefragt. Sie gäben Hilfen bei der Berufs- und Karriereplanung und bei der Klärung ethischer Probleme, etwa in der Medizin oder der Genetik.