22. November 2017

Evangelische Akademie Bad Boll lädt einflussreichen Islamisten ein

Quelle: idea.de

Der Gesundheitsminister im Gazastreifen Basem Naim.

Der Gesundheitsminister im Gazastreifen Basem Naim.

Bad Boll (idea) – Die Evangelische Akademie Bad Boll pflegt einen intensiveren Umgang mit radikalen Muslimen, als bisher bekannt war. Für beträchtliche Unruhe in Politik und Kirche hat die Einladung an den Gesundheitsminister im Gazastreifen Basem Naim gesorgt, der ein führender Vertreter der Palästinenser-Organisation Hamas ist.
 

Hamas wird – obwohl die Vernichtung Israels zum Programm der Gruppe gehört – als Partner für den Frieden dargestellt. Bei einer weiteren Tagung im Juni soll einer der einflussreichsten Islamisten in Deutschland, der Volkswirt Ibrahim El-Zayat (Köln), über islamisches Bankwesen referieren. Er war bis Ende 2009 Präsident der vom bayerischen Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuften Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit 2007 gegen El-Zayat wegen des Verdachts der illegalen Geldbeschaffung für islamische Extremisten. Pressemeldungen zufolge wird ihm vorgeworfen, „Kopf einer kriminellen Vereinigung (zu) sein“, die Gelder erschwindele und damit islamistische Ziele verfolge. Dabei gehe es unter anderem um „gewerbs- und bandenmäßigem“ Betrug in mehreren Fällen, Urkundenfälschung, Untreue, Geldwäsche und Verstoß gegen das Kreditwesengesetz.

Alle wollen islamische Moralvorstellungen verbreiten

Als Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft verwaltet El-Zayat über 600 Moscheen in Europa und betreut die Immobilien der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“. Laut baden-württembergischem Verfassungsschutzbericht für 2008 sind IGD und „Milli Görüs“ eng mit der internationalen „Muslimbruderschaft“ verflochten, die das Ziel verfolgt, islamische Moralvorstellungen weltweit zu verbreiten. Alle drei Gruppen werden im Kapitel „Islamischer Extremismus und Terrorismus“ beschrieben. 1997 forderte El-Zayat junge deutsche Muslime auf, mit Hilfe Allahs „unser Land zu unserem Paradies auf der Erde zu machen und es der islamischen Gemeinschaft (Ummah) und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen“. Die Akademie stellt El-Zayat nur als Vorstandsmitglied der Föderation Islamischer Organisationen in Europa vor, die – so der Verfassungsschutz – sich ideologisch dem Erbe des Gründers der „Muslimbruderschaft“ Hassan al-Banna (1906-1949) verpflichtet sieht.

Ein „unerträgliches Wegsehen“

Nach Ansicht der Expertin für islamische Organisationen, Ragini Wahl (Nürtingen), sind die Einladungen an Naim und El-Zayat exemplarisch für die unkritische kirchliche Haltung gegenüber islamischen Funktionären. In der Akademie arbeiteten Fachleute mit allen Möglichkeiten, sich umfassend zu informieren, sagte Frau Wahl gegenüber idea. Im Internet könne jedermann die politischen Ziele der Islamischen Gemeinschaft nachlesen. Dass trotz der Erkenntnisse des Verfassungsschutzes mit Extremisten zusammengearbeitet werde, sei ein „unerträglich Wegsehen“. Personen und Gruppen, die ein anderes Deutschland wollten, würden bewusst salonfähig gemacht. Damit baue die Akademie keine Brücken, sondern widerspreche dem kirchlichen Auftrag, der Stadt Bestes zu suchen.