19. November 2017

Baptisten und Lutheraner: Keine Brücke in der Tauffrage

Quelle: idea.de

Hartmut Riemenschneider: Kirchengemeinschaft zwischen Baptisten und Lutheranern gegenwärtig nicht möglich.

Hartmut Riemenschneider: Kirchengemeinschaft zwischen Baptisten und Lutheranern gegenwärtig nicht möglich.

Kassel (idea) – Die Aufnahme einer vollen Kirchengemeinschaft zwischen Baptisten und Lutheranern hält der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Hartmut Riemenschneider (Marl), gegenwärtig für nicht möglich.
 

Dies hatte im vergangenen Jahr eine bayerische Lutherisch-Baptistische Arbeitsgruppe in dem Papier „Voneinander lernen – miteinander glauben“ vorgeschlagen. In diesem „Konvergenzdokument“ kamen Vertreter beider Kirchen zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Taufverständnisse kein Hindernis für eine volle Kirchengemeinschaft seien. Lutheraner praktizieren die Säuglingstaufe, Baptisten lehnen diese ab und taufen nur Menschen, die sich bewusst zum christlichen Glauben bekennen. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe können Baptisten und Lutheraner beide Taufverständnisse als „unterschiedliche, jedoch legitime Auslegungen des einen Evangeliums“ anerkennen. Das sehen Riemenschneider und das Präsidium der Freikirche gegenwärtig nicht so: „Diese Brücke in der Tauffrage halten wir für nicht gangbar.“ Riemenschneider begrüßte aber die Arbeit der Arbeitsgruppe und die dadurch in Gang gekommene Diskussion innerhalb seiner Freikirche: „Wir haben keine Angst, unsere Identität zu verlieren.“

Unaufgeregte Atmosphäre

Die kontroverse Diskussion unter den 500 Teilnehmern des Forums verlief in einer die meisten Teilnehmer überraschenden unaufgeregten Atmosphäre. Es wurde darauf hingewiesen, dass nach Erkenntnis der Arbeitsgruppe die theologischen Unterschiede zwischen Lutheranern und Baptisten in Fragen der Rechtfertigungslehre, des Kirchen- und Amtsverständnisses und der Tauflehre nicht mehr kirchentrennend seien. Andrea Strübind, Professorin für Kirchengeschichte in Oldenburg, die mit ihrem Ehemann Prof. Kim Strübind am Papier mitgearbeitet hatte, unterstrich, dass es allein um eine Neubewertung theologischer Erkenntnisunterschiede gegangen sei. Einer Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft beider beteiligter Kirchen steht nach ihrer Einschätzung nichts entgegen. Eine solche Kirchengemeinschaft sei Ausdruck engster Beziehungen, ohne dass die Eigenständigkeit der beteiligten Kirchen aufgegeben werde. In der Diskussion wurde aber deutlich, dass besonders die Feststellung, die Säuglingstaufe sei eine legitime Auslegung des Evangeliums, Baptisten Probleme bereite. Auch das Kollegium des Theologischen Seminars Elstal (FH) hatte in einer Stellungnahme eine grundsätzliche Anerkennung der Kindertaufe nicht empfohlen. Nun soll eine neue baptistische Arbeitsgruppe die aufgeworfenen Fragen bearbeiten und dem Präsidium im Jahr 2013 eine Stellungnahme vorlegen. Erst am Ende dieses Klärungsprozesses könne eine Antwort an die lutherische Kirche erfolgen, sagte Riemenschneider.