18. November 2017

Theologieprofessor gegen politische Predigten

Quelle: idea.de

Der scheidende Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, der evangelische Theologieprofessor Christoph Markschies: Predigt über Afghanistan wenig sinnvoll. Foto: PR

Der scheidende Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, der evangelische Theologieprofessor Christoph Markschies: Predigt über Afghanistan wenig sinnvoll. Foto: PR

Berlin (idea) – Prediger sollten bei politischen Aussagen Zurückhaltung üben. So brauche man in einer Predigt keine Debatten darüber anstoßen, dass die Befriedung Afghanistans bisher nicht gelungen sei.
 

Diese Ansicht vertrat der scheidende Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, der evangelische Theologieprofessor Christoph Markschies, bei einem Gespräch am 27. April im Berliner Dom zum Thema „Was ist eine gute Predigt?“. Wie er sagte, sei es nicht sinnvoll, in der Predigt das zu wiederholen, was man in den Zeitungen lesen könne. Die meisten politischen Probleme seien so komplex, dass man sie nicht mit Stanzformeln lösen könne. Wenn er in Berlin predige, säßen in der Gemeinde immer Menschen, die selbst politisch tätig seien und von Politik weit mehr verstünden als er. In der evangelischen Kirche sind Predigten mit politischen Anmerkungen nicht ungewöhnlich. So hatte die im Februar wegen einer Trunkenheitsfahrt zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin a.D. Margot Käßmann (Hannover), in ihrer Neujahrspredigt in der Dresdner Frauenkirche den Bundeswehreinsatz in Afghanistan kritisiert und „mehr Fantasie für den Frieden“ gefordert.

Kanzel ist für Politiker der falsche Ort

Skeptisch äußerte sich Markschies auch über Predigten von Politikern. So sei es zwar durchaus interessant zu hören, was etwa Gregor Gysi – Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Partei „Die Linke“ – über die Bibel zu sagen habe, doch sei die Kanzel dafür der falsche Ort. Predigen solle nur, wer dazu von der christlichen Gemeinde berufen und beauftragt sei.

Ziel der Predigt ist Seelenpflege

Laut Markschies soll der Prediger immer einen biblischen Text auslegen. Es reiche nicht, etwa über eine Bach-Kantate zu predigen, wenn nicht deutlich werde, dass es sich um eine Bibelauslegung handele. Ziel der Predigt sei, dass die Gemeinde „auferbaut“ werde, so dass jeder Hörer die Kirche erhobenen Hauptes verlassen könne. Die Predigt diene nicht der Zergliederung des Bibeltextes, sondern der Seelenpflege. Einen Rat gab Markschies auch den Predigthörern: Sie sollten nicht mit einer Einstellung wie „Pfarrer Schulz wird heute wieder scheitern“ in den Gottesdienst gehen. Stattdessen solle man davon ausgehen, dass in jedem Fall etwas für einen dabei sei. Dies könne auch ein Kirchenlied oder die Liturgie sein. Markschies (47) amtiert seit 2006 als Präsident der Humboldt-Universität. Sein Nachfolger wird mit Beginn des Wintersemesters Mitte Oktober der bisherige Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz (55).