21. April 2018

USA: „Wohlstandsevangelium“ ist eine Irrlehre

Quelle: idea.de

Schwarze und weiße Pastoren kritisieren Verheißung von Reichtum.

Schwarze und weiße Pastoren kritisieren Verheißung von Reichtum.

Albany/Philadelphia (idea) – Die Kritik am Wohlstandsevangelium wird gerade dort lauter, wo es stark verbreitet ist: In den USA wenden sich inzwischen weiße und schwarze Pastoren gegen eine Verkündigung, die Reichtum und Gesundheit als Lohn für Frömmigkeit und Spenden verheißt.
 

Sie findet vor allem in ärmeren Schichten starken Anklang, etwa bei Afro-Amerikanern und Bürgern lateinamerikanischer Abstammung. Doch nun will eine Gruppe schwarzer Pastoren aus der 2,8 Millionen Mitglieder zählenden reformierten Presbyterianischen Kirche in Amerika eine Reformbewegung starten, die sich gegen diese „Irrlehre“ richtet. Sie organisiert dazu vom 4. bis 6. Juni eine Konferenz in Baltimore (Bundesstaat Maryland). Pastor Lance Lewis (Philadelphia/Bundesstaat Pennsylvania) sieht im Wohlstands- und Gesundheitsevangelium eine ebenso große geistliche Bedrohung wie sie die liberale, bibelkritische Theologie im 20. Jahrhundert gewesen sei. Schwarze Gemeinden brauchten eine „in der Bibel gegründete, vom Evangelium getriebene und auf Christus zentrierte Verkündigung“. Die größte „schwarze“ Kirche der USA, die National Baptist Convention (Nationaler Baptistenbund) mit 7,5 Millionen Mitgliedern, hat ebenfalls die Wohlstandsverkündigung kritisiert.

Paulus reiste nicht auf einem Kreuzfahrtschiff

Zu einer geistlichen Erweckung könne diese nicht beitragen, schreibt der weiße Baptistenpastor Michael Catt (Albany/Bundesstaat Georgia) in seinem Buch „The Power of Surrender: Breaking Through to Revival“ (Die Kraft der Ergebung – Zur Erweckung durchbrechen). Eine Wohlstands-, Erfolgs-, Gesundheits- und Wohlfühl-Verkündigung sage den Leuten das, was sie hören wollten, habe aber wenig mit dem Wort Gottes zu tun. Jesus habe seine Nachfolger aufgefordert, ihr Kreuz auf sich zu nehmen. „In der damaligen Zeit bedeutete das, zum Sterben bereit zu sein“, so Catt. Das Absterben gegenüber „fleischlichem Verlangen“ könne man kaum mit einer Wohlfühl- und Wohlstandsverkündigung in Einklang bringen. Der Apostel Paulus habe das Mittelmeer nicht auf einem Kreuzfahrtschiff durchquert; vielmehr sei von Ort zu Ort geeilt, er sei angegriffen, verprügelt und in Ketten gelegt worden. Das sei der Kontrast zum „glamourösen Leben“ einiger Prediger von heute. Wer geistliche Erweckung erleben wolle, müsse vor falschen Lehren warnen, „die dem menschlichen Herzen schmeicheln und die Sünde glattbügeln“, so Catt. Es gehe um Sündenbekenntnis, Umkehr, Buße und Vergebung, denn die Kirche werde wie eine Pflanze durch das Zurückschneiden von Trieben veredelt.