19. Januar 2018

Kanzlerin informiert sich über Christen in der Türkei

Quelle: idea.de

Das Haus der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Istanbul. Foto: PR

Das Haus der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Istanbul. Foto: PR

Istanbul (idea) – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei ihrem zweitägigen Aufenthalt in der Türkei auch über die Situation der christlichen Minderheit informiert. Sie besuchte am 30. März die deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul.
 

Dabei traf sie mit dem von der EKD entsandten Auslandspfarrer Holger Nollmann sowie mit Vertretern der katholischen und anderer Kirchen zusammen. Die etwa 120.000 Christen – davon etwa 4.000 Evangelikale – bilden in der Türkei eine kleine Minderheit. Über 95 Prozent der 72 Millionen Einwohner sind Muslime. Christen beklagen, dass ihnen keine volle Religionsfreiheit gewährt werde. So haben Kirchen keinen Rechtsstatus. Sie dürfen daher keine Grundstücke erwerben und keine Geistlichen ausbilden. Wegen des fehlenden Rechtsstatus sind die Kirchen meist als Kulturvereine oder Stiftungen organisiert. Davon betroffen ist auch die 1843 gegründete deutschsprachige evangelische Gemeinde in Istanbul, die heute etwa 200 Mitglieder hat. Nollmann ist offiziell nicht als Geistlicher, sondern als Attaché am deutschen Generalkonsulat angestellt. Den Besuch der Bundeskanzlerin wertet er als Unterstützung der Bundesregierung für den Wunsch nach einem Rechtsstaus in der Türkei.

Evangelikale klagen über Intoleranz

Nach Angaben der evangelikalen „Vereinigung protestantischer Kirchen“ (Izmir) herrscht im Land große Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Betroffen seien insbesondere Protestanten, die im Unterschied zu den orthodoxen Kirchen über keine historischen Gottesdienststätten verfügen. Ihre Anträge auf Errichtung von Versammlungsräumen würden häufig abgelehnt. Christen, die sich auf das in der Verfassung garantierte Recht zur ungehinderten Weitergabe religiöser Überzeugungen beriefen, würden oft wegen angeblich gefährlicher und illegaler Handlungen verfolgt.

Zentrum der Syrisch-Orthodoxen bedroht

Volle Religionsfreiheit wünschen sich auch die orthodoxen Kirchen. Dabei finden sie unter anderem Unterstützung bei der Europäischen Union (EU). Ihr Fortschrittsbericht zum möglichen Beitritt der Türkei enthält die Forderung, den Kirchen enteignete Grundstücke und Gebäude zurückzugeben. Außerdem drängen ausländische Kirchen und die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) auf eine Wiedereröffnung des seit 1971 geschlossenen Theologischen Seminars der griechisch-orthodoxen Kirche auf der Insel Halki. Sorge bereitet ferner die Zukunft des geistlichen Zentrums der syrisch-orthodoxen Kirche, des Klosters Mor Gabriel im Gebiet Tur Abdin (Berg der Gottesknechte) im Südosten der Türkei. Dem Kloster wird seit langem Land streitig gemacht. Aus dem Tur Abdin flohen in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 300.000 Kirchenmitglieder nach Europa, um Verfolgung, Ermordung und Unterdrückung durch Türken und Kurden zu entgehen.