18. Januar 2018

Deutschland wird religiöser

Quelle: idea.de

Der Leiter der Abteilung Gesellschaft und Religion der Bertelsmann-Stiftung, Martin Rieger. Foto: PR

Der Leiter der Abteilung Gesellschaft und Religion der Bertelsmann-Stiftung, Martin Rieger. Foto: PR

Leipzig (idea) – Deutschland wird in Zukunft religiöser. Das sagte der Leiter der Abteilung Gesellschaft und Religion der Bertelsmann-Stiftung, Martin Rieger (Gütersloh), am 19. März auf der Leipziger Buchmesse. Ein Hauptgrund sei die Zuwanderung.
 

Studien wie der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung zeigten, dass Migranten wesentlich religiöser seien als der Durchschnittsdeutsche. Das gelte nicht nur für Muslime, sondern auch für Christen. So hätten von den 26 Millionen Katholiken in Deutschland derzeit rund vier Millionen einen ausländischen Hintergrund; viele nähmen den Glauben ernster als deutsche Katholiken. Laut Rieger ist besonders die Jugend religiöser als ihr Ruf. So glaubten mehr als 60 Prozent der jungen Menschen an ein Leben nach dem Tod; das sei deutlich mehr als bei den über 60-Jährigen. Allerdings seien den Jungen traditionelle Formen von Religiosität wie der Gottesdienstbesuch weniger wichtig als ihren Eltern und Großeltern. Die Kirche müsse daher neue Formen finden, um junge Menschen zu erreichen.

Religiöse Informationen aus Medien

Wie der Religionspädagoge Prof. Michael Domsgen (Halle) betonte, bestehen bei der Religiosität der Jugend starke regionale Unterschiede. So sei die christliche Prägung des Erzgebirges nicht mit der Situation in Großstädten zu vergleichen. Hier habe Religiosität immer mehr mit Individualität zu tun. Besonders junge Menschen bastelten sich ihre eigenen religiösen Ansichten zusammen. So hätten ihm Jugendliche schon erklärt, dass sie zwar nicht an Gott glaubten, aber trotzdem beteten. Immer wichtiger würden die Medien. „Kommen Informationen über Religion nicht aus der Familie, so kommen sie aus den Medien“, erklärte Domsgen, der dazu eine Umfrage unter tausend Schülern des Religionsunterrichts machte. Allerdings könnten viele die Vielfalt religiöser Informationen nicht angemessen einordnen.

Neun von zehn Jugendlichen nutzen täglich das Internet

Der Soziologe Prof. Gert Pickel (Leipzig) betonte, dass Jugendliche besonders offen dafür seien, Neues auszuprobieren. Das gelte auch für religiöse Fragen, obwohl die Bedeutung der Religion für den Alltag deutlich nachgelassen habe. Was viele Junge heute an der Kirche reize, sei vor allem die Gemeinschaft. Deshalb sollte sich die Kirche nicht scheuen, soziale Netzwerke im Internet zu betreiben. Befragungen zeigten, dass neun von zehn Jugendlichen täglich das Internet nutzten. Zum Vergleich: 75 Prozent hören Radio. Weniger als die Hälfte liest eine Tageszeitung. Die Veranstaltung stand unter dem Thema „Religiosität im Medienverhalten junger Menschen“ und wurde veranstaltet vom Evangelischen Medienverband in Deutschland (EMVD) und der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB).