25. Februar 2018

Baptisten fehlte kritische Distanz zum NS-Staat

Quelle: idea.de

Freikirchenforscher veröffentlicht das Buch „Wie alle anderen auch“.

Freikirchenforscher veröffentlicht das Buch „Wie alle anderen auch“.

Hamburg (idea) – Im Nationalsozialismus haben sich die Baptistengemeinden dem Regime zu stark angepasst. Zu diesem Ergebnis kommt der baptistische Autor Hans-Joachim Leisten in seinem Buch „Wie alle anderen auch“ (WDL-Verlag/Hamburg).

 

Ein Grund für die fehlende kritische Distanz sei eine eng geführte Theologie gewesen, wonach man der Obrigkeit immer untertan sein müsse. Leisten gehört zum Verein für Freikirchenforschung. Er wertete fünf Jahre lang 327 Festschriften von 229 Gemeinden aus der NS-Zeit im Oncken-Archiv aus, das sich im Bildungszentrums Elstal des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) befindet. In einem Anhang präsentiert der im Ruhestand lebende Pastor Roland Fleischer (Hamburg) 24 Lebensläufe von Baptisten jüdischer Herkunft. „Das sind zum Teil erschütternde Schicksale“, so Fleischer gegenüber idea. Sechs seien im Holocaust umgekommen. Der Theologe: „Sich zu erinnern ist schmerzlich, weil die Geschichte der Baptisten jüdischer Herkunft uns heute an fehlende Solidarität, mangelnden Mut, ängstliches Schweigen und Anpassung an den totalitären Staat erinnert.“ Einzelne hätten aber mutig Hilfe geleistet. Einige Baptistengemeinden erinnerten sich heute ihrer judenchristlichen Mitglieder und ehrten sie, etwa mit der Aktion „Stolpersteine“. Dabei wird mit Tafeln Personen gedacht, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder zur Selbsttötung getrieben wurden.