11. Dezember 2017

Expertin kritisiert einseitige Islam-Berichterstattung

Quelle: idea.de

Chemnitz (idea) – Kritik an einer häufig einseitigen Berichterstattung über den Islam hat die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher (Bonn) geübt. Wie sie in einem Vortrag zum Thema „Herausforderung Islam für Gesellschaft, Politik und Gemeinde“ Ende November in Chemnitz sagte, werde der Islam in den Medien meist nur mit Themen wie Terrorismus, Integration oder der Rolle der Frau in Verbindung gebracht.
 

Auch in vielen christlichen Gemeinden zähle „reißerische Angstmacher-Literatur über den Islam“ zu den Bestsellern. Tatsächliche Begegnung mit Muslimen gebe es hingegen kaum. Dabei gebe es keine Alternative zu einem Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland. „Das Ja zu einem Miteinander zu finden, scheint mir die größte Herausforderung der Gegenwart zu sein“, so die wissenschaftliche Leiterin des „Instituts für Islamfragen“ der Deutschen Evangelischen Allianz. Sowohl Christen als auch Muslime müssten lernen, aufeinander zuzugehen, anstatt passiv zu bleiben. Christen warnte Frau Schirrmacher davor, alle Muslime „über einen Kamm zu scheren“. Man müsse unterscheiden zwischen der großen Mehrheit der friedlichen und unpolitischen Muslime und einer Minderheit des radikalen und weltweit vernetzten politischen Islam. Das Problem des radikalen Islam würde allerdings nicht dadurch gelöst, „dass wir die Minarette fünf Meter kürzer machen“.

Muslime nicht Schuld für Lage in Herkunftsländern geben

Die Herausforderung für Christen bestehe vor allem darin, Auskunft über ihren eigenen Glauben geben zu können: „Die Unsicherheit des Christentums und seine missionarische Schwäche ist nicht die Schuld des Islam.“ Auch beobachte sie, dass Debatten um den Islam sehr emotional geführt würden, so Schirrmacher. Sie rief zu mehr Sachlichkeit auf: „Beim Thema Christenverfolgung etwa dürfen wir hier lebende Muslime nicht für die Situation in ihren Herkunftsländern verantwortlich machen, weil sie daran sowieso nichts ändern können. Andererseits darf die Thematik der Verfolgung von Christen auch nicht ausgeblendet werden.“ Bei den rund 100 Besuchern der Veranstaltung stießen die Ausführungen teils auf Unverständnis. Einige kritisierten sie als zu „rosarot“. Zu dem Vortrag hatten das Martin-Bucer-Seminar und die Evangelisch-Lutherische St. Michaelisgemeinde eingeladen.