21. November 2017

EKD-Medienbeauftragter gegen Pauschalangriffe auf Evangelikale

Quelle: idea.de

Markus Bräuer zu „Panorama“: Kritik an „Jugend mit einer Mission“ berechtigt.

Markus Bräuer zu „Panorama“: Kritik an „Jugend mit einer Mission“ berechtigt.

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – Zu wiederholten Angriffen auf missionarisch engagierte Evangelikale im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat sich der Medienbeauftragte des Rates der EKD, Oberkirchenrat Markus Bräuer (Frankfurt am Main), geäußert.

Vor pauschalen Verunglimpfungen nehme er die evangelikale Bewegung in Schutz, sagte er am 12. Oktober der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage. Er plädiere für eine differenzierte Berichterstattung, die der Vielfalt der Frömmigkeitsformen gerecht werde. Nicht gutheißen könne er jedoch ein Missionsverständnis wie das der Organisation „Jugend mit einer Mission“ (JMEM), das etwa andere Religionen als „Festungen des Satans“ bezeichne. An dieser Stelle teile er die Kritik des Beitrags „Christliche Missionare: Sterben für Gott?“ im ARD-Magazin Panorama vom 8. Oktober. Wie Bräuer weiter erläuterte, trete er für ein Missionsverständnis ein, das Menschen in ihren Lebenssituationen zuhöre, aber auch die guten Gründe für den Glauben an Jesus Christus nicht verschweige.

Panorama: Amtskirche nähert sich den Evangelikalen

In dem Panorama-Beitrag wurde das charismatisch orientierte internationale Werk JMEM als „fundamentalistische“ Organisation dargestellt, die junge Christen ermuntere, unter Todesgefahr zu missionieren. Zwei Reporterinnen hatten sich als „streng gläubige Christinnen“ in ein JMEM-Zentrum in Herrnhut (Sachsen) eingeschleust und mit versteckter Kamera gedreht. Bereits im August hatte ein Beitrag im ZDF-Magazin „frontal 21“ zu zahlreichen Protesten geführt. Darin waren missionarisch engagierte Evangelikale auf eine Stufe mit islamistischen Selbstmordattentätern gestellt worden. Am 5. September hatte der Rat der EKD die Evangelikalen in Schutz genommen und den „undifferenzierten Umgang mit der Kategorie des Fundamentalismus“ als „Grundübel“ des ZDF-Beitrags gerügt. Panorama nahm an dieser Reaktion der EKD Anstoß. Es sei besorgniserregend, wie sehr sich die Amtskirche den Evangelikalen annähere. Der Rat der EKD äußerte sich nach seiner jüngsten Sitzung am 9. und 10. Oktober nicht erneut zu dieser Thematik.

KEP: Panorama will Christen diskreditieren

Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake (Wetzlar), wirft Panorama eine „undifferenzierte und bewusst negative Darstellung“ jeglicher christlicher Mission vor. Dazu habe man sich auch „illegal gemachter Aufnahmen“ bedient. Panorama habe an keiner Stelle den Versuch unternommen, andere Missionswerke darzustellen, deren Missionspraxis positiv zu beurteilen sei. Es handele sich um einen weiteren Versuch, besonders die Evangelikalen, aber auch Christen im Allgemeinen zu diskreditieren.

JMEM weist Vorwürfe zurück

„Jugend mit einer Mission“ (Hurlach/Bayern) wies die in Panorama erhobenen Vorwürfe als verzerrend und nicht der Wirklichkeit entsprechend zurück. In einer Erklärung kritisierte die Werksleitung, dass der falsche Eindruck erweckt worden sei, dass Jugendliche zu gefährlichen Einsätzen im Ausland motiviert oder gar zum Märtyrertod aufgerufen würden. Man habe den Eindruck, dass die Redakteurinnen „mit einer vorgefassten Meinung einseitig und sogar verzerrend berichten, um den christlichen Glauben zu attackieren“. Wörtlich heißt es: „Unsere Absicht ist es keinesfalls, junge Menschen in Gefahr zu bringen oder sie gar in den Tod zu senden. Unsere Absicht ist es vielmehr, den Menschen die Liebe Gottes weiterzugeben; dies tun wir in Wort und Tat, mit Helfern und Freiwilligen, die beispielsweise bereit sind, unentgeltlich in Flüchtlingslagern zu helfen, Waisenhäuser aufbauen, sich um Straßenkinder kümmern, mit HIV-Infizierten arbeiten usw.“