20. September 2017

Fromme Politiker schaffen Sprung in den Bundestag

Quelle: idea.de

Berlin (idea) – Bei der Bundestagswahl am 27. September schafften eine Reihe bekennender evangelischer Christen erstmals oder erneut den Sprung in den Bundestag. Der Staatsminister im Bundeskanzleramt, EKD-Ratsmitglied Hermann Gröhe (CDU), verteidigte im Wahlkreis Neuss sein Direktmandant mit 47,8 Prozent (+0,1 gegenüber 2005).

Die Präses der EKD-Synode und bisherige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), konnte ihr Ergebnis bei den Erststimmen im Wahlkreis Erfurt/Weimar um 2,8 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent verbessern. Sie zieht erneut über die Landesliste in den Bundestag ein. Einen Erfolg feierte auch der Heilsarmee-Offizier Frank Heinrich (Chemnitz), der erstmals antrat: Mit 34,1 Prozent eroberte er für die CDU das Direktmandat. Heinrich ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Jugend der Deutschen Evangelischen Allianz. Der EKD-Synodale Otto Fricke (FDP, Krefeld), bisher Vorsitzender im Haushaltsausschuss des Bundestags, konnte sein Erststimmenergebnis um 5,2 Prozentpunkte auf 12,3 Prozent steigern und zieht wieder über die Landesliste ins Parlament ein. Der Finanzexperte gilt als möglicher Anwärter auf ein Regierungsamt. Auch der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU, Volkmar Klein (Burbach bei Siegen), sitzt künftig im Bundestag: Er bekam 41,5 Prozent der Erststimmen, was exakt dem CDU-Ergebnis von 2005 entspricht. Damals hatte es allerdings für die Union nicht für ein Direktmandat gereicht.

Kirchenleitungsmitglied erstmals im Parlament

Hans-Georg von der Marwitz (CDU), Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, konnte im Oderland das Unionsergebnis der Erststimmen zwar auf 23,6 Prozent steigern (+3,2), musste sich aber der Kandidatin der Linkspartei, Dagmar Enkelmann, geschlagen geben. Dank eines vorderen Listenplatzes sitzt er dennoch künftig im Bundestag. Weitere bekennende Christen, die direkt gewählt wurden, sind unter anderen der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder (48,1 Prozent/-4,1) – er steht dem Pietismus nahe –, der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (46,4 Prozent/+1,4), sowie die Christdemokraten Steffen Bilger (39,9 Prozent, -6,4) und Johannes Selle (33,9 Prozent/+3). Bilgers geistliche Heimat ist der pietistische Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC). Selle ist Mitglied im Arbeitskreis Politik der Deutschen Evangelischen Allianz. Er gehörte dem Parlament bereits von 1994 bis 1998 an. Der Chef des Bundeskanzleramts, Thomas de Maizière (CDU), zieht für seinen Wahlkreis Meißen als Direktkandidat in den Bundestag ein: Er gehört zum Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages und kam auf 45,2 Prozent der Stimmen (+7,6). Der Mitgründer und Sprecher der Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“, Patrick Meinhardt, erreichte im Wahlkreis Karlsruhe-Land 11,5 Prozent der Erststimmen (+6,5) und bleibt dank seines Listenplatzes im Parlament.

EKD-Synodale Griese nicht mehr im Bundestag

Eine bittere Niederlage erlitt dagegen die EKD-Synodale und bisherige kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kerstin Griese (Mettmann): Sie kam auf 35,6 Prozent der Erststimmen (-7,9) und verlor somit ihr Direktmandat an Peter Beyer von der CDU. Weil die SPD auch in Nordrhein-Westfalen deutlich an Stimmen verlor (minus 11,5 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent), kann Griese auch nicht über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Auch der in einer evangelischen Kirchengemeinde engagierte Lars Castelluci hatte bei der Wahl keinen Erfolg: Der Sozialdemokrat verlor im Wahlkreis Rhein-Neckar 11,8 Prozent der Erststimmen und kam auf 25,1 Prozent. Allerdings hatte es auch 2005 nicht für ein Direktmandat gereicht.