23. September 2018

Turkmenistan: Evangelikaler Pastor seit einem Jahr inhaftiert

Quelle: idea.de

Der 46-jährige Ilmyrat Nurliev ist „Gefangener des Monats Oktober“.

Der 46-jährige Ilmyrat Nurliev ist „Gefangener des Monats Oktober“.

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – Als „Gefangenen des Monats Oktober“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea einen evangelischen Pastor im zentralasiatischen Turkmenistan benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Ilmyrat Nurliev wurde am 21. Oktober 2010 von einem Gericht in der Stadt Mary im Südosten des Landes zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund 400 Euro verurteilt. Der 46-jährige Leiter der evangelikalen Gemeinde „Licht der Welt“ war am 27. August 2010 in seinem Haus in Mary verhaftet worden.

Die Behörden werfen ihm vor, drei Personen Geld abgenommen zu haben und selbst drogenabhängig zu sein. Das weisen seine Frau Maya und Gemeindemitglieder entschieden zurück. Laut IGFM wurden mehrere Zeugen zu Aussagen gegen Nurliev vor Gericht gezwungen. Der Pastor hatte im August 2010 vergeblich versucht, seine Gemeinde offiziell registrieren zu lassen, wie es das „Gesetz über Gewissensfreiheit und religiöse Organisationen“ vorschreibt. Seit Dezember befindet sich Nurliev im Arbeitslager Seydi. Der Vorsteher bot ihm die Freilassung an, wenn er seine Schuld eingestehe. Dies lehnte Nurliev ab. Der IGFM zufolge wird dem Diabetes-Patienten eine medizinische Behandlung ebenso vorenthalten wie eine Bibel. Die turkmenische Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit, in der Praxis wird sie jedoch nur dem sunnitischen Islam und dem orthodoxen Christentum zugestanden. Evangelikale dürfen sich nicht öffentlich zum Gottesdienst treffen. Aber auch Versammlungen in Privathäusern stehen unter Strafe. Die IGFM und idea rufen dazu auf, sich in Briefen an den turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdimuhammedow für Nurlievs Freilassung einzusetzen. Rund 90 Prozent der fünf Millionen Einwohner Turkmenistans sind Muslime und neun Prozent russisch-orthodox.