19. Juni 2018

Kritische Reaktionen auf Pläne zum Zivildienst

Quelle: idea.de

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).

Berlin (idea) – Auf weithin kritische Reaktionen bei christlichen Verbänden stoßen die Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), im Falle einer Aussetzung der Wehrpflicht einen freiwilligen Zivildienst einzuführen.
 

Die Ministerin schlägt vor, diesen Dienst für Frauen und Männer aller Altersgruppen zu öffnen. Ziel sei es, etwa 35.000 Freiwillige pro Jahr zu gewinnen. Die Regeldauer könnte ein Jahr, die Mindestdauer sechs und die Höchstdauer 18 Monate betragen. Das Diakonische Werk der EKD befürchtet, dass dann dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) das Aus droht. „Dies darf nicht passieren. Das FSJ muss ausgebaut und finanziell ebenso ausgestattet werden wie ein möglicher freiwilliger Zivildienst“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese (Berlin), Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks. Die Diakonie plädiert dafür, die durch die Verkürzung des Wehrersatzdienstes frei werdenden Mittel in die Freiwilligendienste zu investieren, um diese Angebote auszubauen. Der Aufbau von Parallelstrukturen zum FSJ sei „nicht hilfreich“, sagte der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), Mike Corsa (Hannover). Derzeit gebe es in der aej in Zusammenarbeit mit der Diakonie etwa 7.000 Freiwilligenplätze. Dieses Angebot könne man bei einer entsprechenden finanziellen Förderung gemeinsam mit den anderen Trägern des FSJ auf 60.000 aufstocken. Die Nachfrage von jungen Menschen nach FSJ-Stellen sei größer als die Zahl der vorhandenen Plätze. „Eine Ausweitung wäre sofort machbar, wenn die notwendigen Finanzen zur Verfügung stünden“, so Corsa.

RMJ befürchtet „bürokratisches Monster“

Der Ring missionarischer Jugendbewegungen (RMJ) hat „große Anfragen“ an das Konzept der Ministerin. Bei einer Umsetzung ihres Vorschlags gehe man von einem deutlichen Rückgang der Einsatzstellen im FSJ aus. „Die hohe qualitative Kompetenz in der Betreuung der jungen Menschen, die im FSJ generell gewährleistet ist, kommt dann nicht mehr bei den jungen Leuten an. Neben diesem Verlust an Inhalten befürchten wir, dass ein neues bürokratisches ,Monster’ aufgebaut wird, das die guten gewachsenen Strukturen des FSJ gefährdet“, so der Vorsitzende Andreas Wenzel (Berg/Starnberger See) gegenüber idea. Besser sei es, das Geld in die vorhandenen Angebote zu investieren und das FSJ auszubauen. Der RMJ verzeichne seit Jahren eine steigende Nachfrage nach FSJ-Einsatzstellen. Viele Mitgliedsorganisationen hätten ihre Zivildienststellen zum großen Teil nicht mehr besetzt, da die Verkürzung der Dienstzeit auf sechs Monate und weitere organisatorische Hürden die Abläufe in den Einsatzstellen erheblich erschwert hätten. „Stattdessen haben viele wehrpflichtige junge Männer die Alternative in Anspruch genommen, ein FSJ abzuleisten, das als Ersatz für die Dienstpflicht anerkannt wurde.“ Da im Frühjahr die staatliche Förderung für junge Männer, die das FSJ anstelle des Wehrdienstes ausüben, stark zurückgefahren worden sei, seien derzeit 170 der 600 Stellen in den Mitgliedsorganisationen gefährdet.

Evangelisches Seniorenwerk: Es gibt Potenzial

Das Evangelische Seniorenwerk (Stuttgart) zeigte sich grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber dem Vorschlag, den Zivildienst für alle Altersgruppen zu öffnen. Es gebe bereits jetzt ähnliche Angebote für Senioren. Wenn der Staat aber Rahmenbedingungen schaffen würde, die eine Ausweitung solcher Einsatzmöglichkeiten ermöglichen, sei dies zu begrüßen, sagte die Geschäftsführerin Elisabeth Heinecke auf idea-Anfrage. Senioren profitierten in solchen Freiwilligenprogrammen von ihrer Lebenserfahrung. Es gebe ein großes Potenzial an Personen, die grundsätzlich bereit seien, sich für die Gesellschaft zu engagieren.