17. Oktober 2018

Israel-Freunde protestieren gegen Akademie-Tagung

Quelle: idea.de

Kritik an Hamas-Einladung durch die Evangelische Akademie Bad Boll: „Feindliche Äußerung“ gegenüber Israel. Foto: idea/Grasse

Kritik an Hamas-Einladung durch die Evangelische Akademie Bad Boll: „Feindliche Äußerung“ gegenüber Israel. Foto: idea/Grasse

Bad Boll (idea) – Mit Israel-Fahnen, Transparenten und Flugblättern demonstrierten rund 100 Personen am 11. Juni in dem württembergischen Kurort Bad Boll (bei Göppingen) gegen eine Tagung der dortigen Evangelischen Akademie.
 

Der Protest von jüdischen Organisationen, Mitgliedern der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, des Denkendorfer Kreises für christlich-jüdische Begegnung und juden-christlicher Kreise richtete sich vor allem gegen die Einladung eines führenden Vertreters der palästinensischen Hamas-Bewegung und deren Charakterisierung als „Friedenspartner“. Die radikal-islamische Hamas verneint in ihrer Satzung das Existenzrecht Israels und bekämpft den Staat Israel mit Attentaten. Sie wird deshalb von der Europäischen Union und den USA als terroristische Vereinigung eingestuft. Dass diese Gruppe in Bad Boll ein Forum bekommen sollte, sei eine „feindliche Äußerung“ gegenüber Israel, erklärte die Initiatorin der Demonstration, Bärbel Illi (Ostfildern bei Stuttgart). Wer Frieden in Nahost wolle, müsse die Hamas bekämpfen, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart und Mittlerer Neckar. Sie dankte der Bundesregierung, dass sie dem Hamas-Vertreter kein Einreisevisum erteilt habe. Den an einer Podiumsdiskussion auf der Tagung mitwirkenden Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold (SPD), Michael Hennrich (CDU/CSU) und Harald Leibrecht (FDP) warf Illi vor, mit der Hamas über die Vernichtung Israels reden zu wollen.

Auch Fatah pflegt „Sprache der Vernichtung“

Auch an die als gemäßigt geltende Fatah-Organisation, die die Akademie ebenfalls als „Friedenspartner“ eingeladen hat, müssten kritische Fragen gestellt werden, etwa zu anti-israelischen Hass-Sendungen im palästinensischen Fernsehen oder die Benennung von Straßen nach Selbstmordattentätern. Offensichtlich pflege auch die Fatah die „Sprache der Vernichtung“. Aus der Nicht-Einladung eines Vertreters der israelischen Regierung oder der israelischen Botschaft schloss Illi, dass die Evangelische Akademie offensichtlich Hamas und Fatah als Gesprächspartner für den Frieden betrachte, aber nicht das offizielle Israel. Dies sei ein „unglaublicher Skandal“. Illi forderte die württembergische Kirchenleitung auf, anti-israelische Veranstaltungen in der Evangelischen Akademie zu verbieten. Andere Redner berichteten von palästinensischen Menschenrechtsverletzungen im Westjordanland und im Gazastreifen.

Tagungsteilnehmer als Gegendemonstranten

Die Ansprachen wurden mehrmals von pro-palästinensischen Gegendemonstranten unterbrochen. Die meisten waren Teilnehmer der Akademie-Tagung. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Freiheit für Palästina“. Außerdem warfen sie den Israel-Freunden vor, Kritik an der israelischen Politik als Antisemitismus zu brandmarken. Neben palästinensischen Fahnen zeigten sie ein Transparent mit der Aufschrift „62 Jahre Israel = 62 Jahre Vertreibung und Unterdrückung der Palästinenser“.