23. September 2018

Wie soll die Kirche mit homosexuellen Pfarrern umgehen?

Quelle: idea.de

Foto: Thorben Wengert/pixelio.de

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Stuttgart (idea) – Über den Umgang mit homosexuellen Pfarrern hat die württembergische Landessynode bei einem Studientag am 15. Oktober in Bad Boll beraten. Anlass ist das neue Pfarrdienstrecht der EKD, das von den Landeskirchen übernommen werden soll.

Sie können auch eigene Regeln beschließen. Umstritten ist insbesondere der Abschnitt über Ehe und Familie. Paragraph 39 besagt, dass familiäre Beziehungen im Pfarrhaus verlässlich und dauerhaft gestaltet sein sollen. Dies eröffnet die Möglichkeit, dass homosexuelle Geistliche, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind, mit ihrem gleichgeschlechtlichen Partner im Pfarrhaus wohnen dürfen. Dazu bestehen in der württembergischen Synode gegensätzliche Ansichten. Während die „Lebendige Gemeinde“ gleichgeschlechtliche Beziehungen aus biblischen Gründen ablehnt und bei einer Gleichstellung von homosexuellen Beziehungen mit der Ehe eine Spaltung der Landeskirche befürchtet, unterstützt die „Offene Kirche“ eine Öffnung des Pfarrhauses für Schwule und Lesben. Laut Kirchensprecher Oliver Hoesch (Stuttgart) soll eine Entscheidung im Frühjahr getroffen werden. Der nicht-öffentliche Studientag habe der Vorbereitung gedient. Dabei hätten sich die Synodalen „über ihre Erfahrungen aus vielen vorbereitenden Gesprächen, auch mit Betroffenen, ausgetauscht“. Nach Angaben von Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) und Synodalpräsidentin Christel Hausding (Langenau bei Ulm) fand der Studientag „in einer ausgesprochen offenen Atmosphäre“ statt. Es sei deutlich geworden, „dass es nach wie vor zwar unterschiedliche Standpunkte gibt, dennoch der Wille erkennbar ist, einen gemeinsamen Weg zu gehen“.

Homosexueller Pfarrer wechselt nach Hessen-Nassau

In Württemberg gilt bisher, dass der Oberkirchenrat in Ausnahmefällen das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Geistlicher im Pfarramt erlauben kann. Ende 2010 hatte das Personaldezernat auf idea-Anfrage mitgeteilt, dass es fünf solcher Lebensgemeinschaften in Dienstwohnungen gebe. Allerdings streben nicht alle schwulen Pfarrer eine solche Ausnahmeregelung an. Am 9. Oktober verabschiedete sich Steffen Poos (Nagold-Iselshausen/Nordschwarzwald) von seiner Gemeinde, um in die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau zu wechseln. Die Kirchenleitung habe ihm das verbindliche Zusammenleben mit seinem Partner nicht ermöglicht, so die Begründung. Der Öffentlichkeitsreferent der Kirchenleitung, Kirchenrat Dan Peter (Stuttgart), teilte auf idea-Anfrage mit, dass sich Poos auf eigenen Wunsch um eine Anstellung in einer anderen Landeskirche beworben habe. Kirchensprecher Hoesch zufolge hätte „durchaus die Möglichkeit einer Ausnahmeregelung bestanden“.