25. September 2018

Soll die Kirchensteuer abgeschafft werden?

Quelle: idea.de

Foto: Andreas Morlok/pixelio.de

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Wetzlar (idea) – Nach dem Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. wird über den Erhalt der Kirchensteuer diskutiert. Sie ist die Haupteinnahmequelle der beiden Großkirchen und beträgt – je nach Bundesland acht bzw. neun Prozent der Einkommens- oder Lohnsteuer. Die Beträge werden von den Finanzämtern im Auftrag der Kirchen eingezogen. Im Jahr 2010 erhielt die katholische Kirche von ihren 24,6 Millionen Mitgliedern rund 4,8 Milliarden Euro Kirchensteuern, die evangelischen Kirchen (23,9 Millionen Mitglieder) 4,3 Milliarden.

Der Papst hatte am 24. September in Freiburg in seiner Ansprache vor dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gefordert, die Kirche müsse sich von ihren materiellen Bindungen lösen, damit ihr missionarisches Handeln wieder glaubhaft werde. „Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden“, so Benedikt XVI. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) erklärte, der Papst habe sich damit nicht gegen die Kirchensteuer gewandt. Bei seiner Mahnung, staatliche Privilegien aufzugeben, sei es Benedikt XVI. nicht um konkrete Regelungen in Deutschland gegangen. Vielmehr habe der Papst mahnen wollen, dass sich die Kirche nicht auf Privilegien ausruhen dürfe, so Zollitsch.

Kardinal: Kirchensteuer ist ein Problem

Dagegen äußerte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch (Vatikanstadt), dass prinzipiell kein Bereich vom Nachdenken ausgeschlossen werden könne. Koch: „Dass gerade die Frage der Kirchensteuer immer wieder zum Thema wird, zeigt, dass hier ein besonderer Brennpunkt vorhanden ist. Die unlösbare Verkoppelung von Kirchenzugehörigkeit und Kirchensteuerpflicht scheint mir in der Tat ein Problem zu sein, das ernsthaft angegangen werden muss.“

Kirchensteuer „theologisch nicht haltbar“

Unterdessen hat ein prominenter Katholik für die Abschaffung der Kirchensteuer plädiert. Bei einer Rede am 6. Oktober an der Humboldt-Universität zu Berlin bezeichnete „Spiegel“-Autor Matthias Matussek (Hamburg) die Kirchensteuer als „theologisch nicht haltbar“. Man könne nicht „Christ per Abbuchungsauftrag“ sein. Matussek zufolge wird die Kirche der Zukunft „ärmer, weniger glänzend, weniger bürokratisch, aber dafür engagierter“ sein.

EKD: Kirchensteuer hat sich bewährt

Dagegen sieht der Pressesprecher der EKD, Reinhard Mawick (Hannover), keinen Anlass, die Kirchensteuer abzuschaffen. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) erklärte er, der Einzug der Kirchensteuer durch den Staat habe sich bewährt. Durch ihre Koppelung an die allgemeine Steuerlast des Einzelnen lasse sie „starke Schultern mehr tragen als die schwächeren“. Die Kirchensteuer sei eine verlässliche Größe und helfe der Kirche, ihren Auftrag zu erfüllen. Nach evangelischem Verständnis sei das Christsein jedoch „nicht an irgendeine Steuerzahlung, sondern ausschließlich an die Taufe geknüpft“, so Mawick.

Freikirchen: Verzicht auf Kirchensteuer tut uns gut

Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, Peter Jörgensen (Berlin), erklärte, die Kirchensteuer sei bei den Freikirchen kein Diskussionsthema. Zwar hätten auch Freikirchen die Möglichkeit, die Kirchensteuer durch den Staat einziehen zu lassen; man verzichte darauf jedoch bewusst. Die Mitglieder von Freikirchen zahlen statt der von den Finanzämtern eingezogenen Kirchensteuer freiwillige Mitgliedsbeiträge. Diese werden bei der Steuererklärung im selben Umfang wie Kirchensteuern von der Einkommensteuer abgezogen. Voraussetzung ist, dass die Freikirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist. Das Modell der Freiwilligkeit ermögliche eine stärkere Identifikation mit der eigenen Gemeinde, so Jörgensen. Mitglieder von Freikirchen seien dadurch in der Regel finanziell erheblich großzügiger. Die VEF vertritt zehn Mitglieds- und vier Gastkirchen mit insgesamt rund 300.000 evangelischen Christen.