23. September 2018

Pakistan: Freilassung von Asia Bibi gefordert

Quelle: ead.de

Foto: Open Doors

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Islamabad (Fidesdienst) Islamistische Gruppen fordern die Freilassung von Mumtaz Qadri, Mörder des ehemaligen Gouverneurs Salman Taseer.

Vor diesem Hintergrund fordern christliche Nichtregierungsorganisationen und Bischöfe sowie moderate muslimische Religionsvertreter nun auch erneut die Freilassung von Asia Bibi. Die beiden Fälle sind eng miteinander verbunden: Der geständige Mumtaz Qadri wurde vor drei Tagen für den Mord am ehemaligen Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab zum Tode verurteilt; die Christin Asia Bibi wurde im November 2010 von einem Gereicht in Sheikhpura in der Provinz Punjab auf der Grundlage des Blasphemieparagraphen zum Tode verurteilt und befindet sich seither in Haft.

Der ermordete Gouverneur wurde umgebracht, weil er die Unschuld von Asia Bibi beteuerte und sich für ihre Freilassung, sowie für die Abschaffung des Blasphemieparagraphen eingesetzt hatte. Radikalislamische Gruppen, die Qadri als Helden betrachten und sich in dem Netzwerk Tahafuz-e-Namoos-e-Risalat zusammenschließen versuchen nun dessen Freilassung zu erwirken. Wie Beobachter aus Pakistan dem Fidesdienst berichten, wird dabei die Zahlung des so genannten Blutgeldes in Betracht gezogen, mit dem nach dem islamischen Recht durch die Zahlung des Täters oder dessen Familie an die Opferfamilie der Sippe statt Wiedervergeltung gezahlt wird. Eine solche Prozedur muss von einem islamischen Gerecht rechtlich gebilligt werden.

Das Netzwerk Sunni Tehreek hat bereits 200 Millionen Rupie gesammelt, das an die Familie des ermordeten Taseer bezahlt werden sollen. Voraussichtlich wird sich die Familie gezwungen sehen, das Angebot anzunehmen, und wird damit auf eine Art Erpressung eingehen, da das Schicksal davon Shabhaz Taseer, der Sohn des ermordeten Gouverneurs sich noch in den Händen seiner Entführer befindet. Sollte die Familie das Angebot der Zahlung des Blutgelds annehmen, dann wird wahrscheinlich auch der Sohn freikommen, vermuten die Beobachter. Die einzige notwendige Voraussetzung ist, dass der pakistanische Präsident die Weiterleitung des Falls Qadri vom zivilen Anti-Terror-Gericht an ein islamisches Gericht veranlasst. Die Zahlung von Blutgeld kam auch im Fall des amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters Raymond Davis zum Tragen, der sich in Pakistan in Haft befand, weil er zwei pakistanische Staatsbürger ermordet haben soll. Das Gericht in Lahore ließ ihn wieder frei, nachdem das vom islamischen Gesetz vorgesehene Blutgeld bezahlt wurde. Der Plan der Extremisten ist klar, so Haroon Barkat Masih, Vorsitzender der Masihi-Foundation, die sich auch für die Causa von Asia Bibi einsetzt.

Zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen, wie Life for All und Breaking Bonds sowie einigen Bischöfen, darunter der katholische Bischof Rufin Anthony von Islamabad und der protestantische Bischof Ijaz Inayat von Karachi, sowie verschiedene gemäßigte Vertreter der islamischen Glaubensgemeinschaft fordert die Stiftung deshalb: „Wir fordern mit Nachdruck die Freiheit und Rettung für Asia Bibi.“ Ihre Geschichte ist eng mit dem Fall Taseer verbunden. Sollte ein geständiger Mörder, wie Qadri es ist freigelassen werden, dann sollte auch eine Unschuldige wie Asia Bibi freikommen. Sollte der pakistanische Präsident der Weiterleitung an ein anderes Gericht zustimmen, dann kann er auch eine Unschuldige begnadigen und für ihre umgehende Freilassung veranlassen, die als Mutter mehrere Kinder im Gefängnis leidet. Oder er kann sich für eine umgehende Revision des Prozesses einsetzen, der auf falschen Dokumenten beruht und einer Widerrufung des Urteils veranlassen. (PA) (Fidesdienst, 04/10/2011)