24. Juni 2018

Kirchen sollen Eltern in die religiöse Erziehung einbeziehen

Quelle: idea.de

Der Promiseland-Kongress beschäftigt sich mit dem geistlichen Wachstum von Kindern. Foto: PR

Der Promiseland-Kongress beschäftigt sich mit dem geistlichen Wachstum von Kindern. Foto: PR

Stuttgart (idea) – Kirchliche Bemühungen um eine religiöse Erziehung von Kindern bleiben weitgehend wirkungslos, wenn die Eltern nicht einbezogen werden. Darauf haben Referenten bei einem Promiseland-Kongress am 21. und 22. Oktober in Stuttgart hingewiesen.

Promiseland (Verheißenes Land) nennt die US-amerikanische Willow Creek Gemeinde in South Barrington bei Chicago ihre Arbeit unter Kindern. Zu ihren wöchentlichen Gottesdiensten kommen etwa 23.000 Besucher, darunter rund 3.200 ein- bis zehnjährige Kinder. Vor rund 1.800 Teilnehmern des Kongresses sagte der kanadische Pastor und Autor Carey Nieuwhof (Toronto), dass Kirchengemeinden mit Kindergottesdiensten, Sonntagsschulen und Jungscharen Kinder selten mehr als 100 Stunden pro Jahr prägen könnten. Eltern hingegen verbrächten jährlich durchschnittlich rund 3.000 unverplante Stunden mit ihren Kindern, so dass deren Einfluss wesentlich größer sei als der von kirchlichen Mitarbeitern. Diese sollten deshalb eine Zusammenarbeit mit Eltern anstreben. Laut Nieuwhof möchten die meisten Eltern ihren Kindern einen guten Start ins Leben geben. Sie unterstützten auch religiöse Ziele, wenn sie ihnen plausibel erschienen. So könnten Kinder im Vorschulalter lernen, dass Gott sie liebt, dass Gott sie geschaffen hat und dass Gott ihr Freund sein will. Später bekämen Kinder Hilfen, Entscheidungen in Verantwortung vor Gott zu treffen und so zu handeln, wie sie selbst behandelt werden wollen. Damit werde ein festes Fundament für das weitere Leben gelegt, so Nieuwhof.

Weil DVDs und Arbeitsblätter im Abfall landeten

Nach Beobachtungen der Leiterin von Promiseland, Pat Cimo, sind sowohl christliche als auch kirchenferne Eltern häufig überfordert, sich an der religiösen Erziehung ihrer Kinder zu beteiligen. Vielfach interessierten sie sich nicht einmal für das Geschehen im Kindergottesdienst. Dies habe sich auch nicht mit besonderen Familiengottesdiensten ändern lassen, zu denen Willow Creek regelmäßig eingeladen habe. DVDs oder Arbeitsblätter, die Eltern einen Eindruck von der kirchlichen Arbeit mit ihren Kindern geben sollten, landeten nicht selten im Abfalleimer. Promiseland habe daraus die Konsequenz gezogen, Eltern um konkrete Dienste zu bitten, etwa mit ihren Kindern die am nächsten Sonntag zu besprechende biblische Geschichte vorab zu lesen. Auch die Gemeindearbeit wurde in den vergangenen drei Jahren umgestellt: Den Gottesdiensten für Erwachsene, Teenager und Kinder lägen jetzt dieselben biblischen Texte zugrunde, so dass es Familien leichter falle, auf dem Nachhauseweg oder am Mittagstisch über die Bedeutung des Glaubens für den Alltag zu sprechen.

Alternativen für die Gemeindearbeit

Der Koordinator der Promiseland-Arbeit in Deutschland, der Baptistenpastor Daniel Kliemt (Siegen), zog ein positives Fazit des Kongresses. Die Reaktionen der Besucher hätten gezeigt, dass die Trennung von Gemeinde- und Kinderarbeit zunehmend als Problem empfunden werde. Wenn es nicht gelinge, die Familien als Partner für die religiöse Entwicklung zu gewinnen, mache man es jungen Menschen schwer, geistlich zu wachsen, sagte Kliemt gegenüber idea. Der Kongress habe Alternativen gezeigt.