23. September 2018

Jemen: Suche nach vermissten Deutschen eingestellt

Quelle: idea.de

Die Suche nach Johannes und Sabine Hentschel im Jemen ist jetzt offiziell eingestellt worden. Foto: privat

Die Suche nach Johannes und Sabine Hentschel im Jemen ist jetzt offiziell eingestellt worden. Foto: privat

Sanaa/Radebeul (idea) – Die Suche nach dem seit mehr als zwei Jahren im Jemen vermissten deutschen Ehepaar Hentschel aus Sachsen ist offiziell eingestellt worden. Das teilte der Schwager des Familienvaters, Pastor Reinhard Pötschke (Radebeul), am 17. Oktober auf Anfrage von idea mit.

Johannes und Sabine Hentschel aus dem sächsischen Meschwitz arbeiteten seit 2003 in der nordjemenitischen Provinz Saada für das niederländische Hilfswerk „Worldwide Services“ in dem staatlichen Krankenhaus „Mustaschfa al Dschimhuri“. Sie waren am 12. Juni 2009 mit ihren drei Kindern und vier anderen Christen während eines Ausflugs entführt worden. Von den Eltern und ihrem damals einjährigen Sohn Simon sowie von einem britischen Ingenieur fehlt seitdem jede Spur. Drei der Opfer – zwei deutsche Krankenschwestern und eine südkoreanische Lehrerin – wurden kurz nach der Entführung erschossen aufgefunden. Die Kinder Lydia (7) und Anna (5) Hentschel konnten im Mai 2010 überraschend befreit werden und nach Deutschland zurückkehren. Das gab zunächst der Hoffnung Auftrieb, auch ihre Eltern und der Bruder könnten noch leben.

Keine neuen Erkenntnisse

„Es gibt keinerlei neue Erkenntnisse“, erklärte Pötschke gegenüber idea. „Deshalb ist das Verfahren von deutscher Seite vorerst eingestellt worden.“ Sollte es neue Hinweise auf den Verbleib des Ehepaares und ihres Sohnes geben, würden die Ermittlungen allerdings wieder aufgenommen. Die Angehörigen des vermissten Ehepaares haben jetzt Einsicht in die Akten zu dem Fall beantragt. „Wir erhoffen uns davon keine neuen Erkenntnisse“, so Pötschke. „Aber es hilft vielleicht, den zeitlichen Ablauf der Geschehnisse noch etwas zu ordnen.“ Wie er weiter sagte, erhält die Familie bis heute Zuschriften von Christen aus ganz Deutschland, die sie ermutigten und ihnen mitteilten, dass sie für sie beteten. „Das gibt uns viel Kraft“, so der Pastor.

Angst vor Bürgerkrieg wächst

Im Jemen wächst derzeit die Angst vor einem Bürgerkrieg, der mit dem Zerfall des ohnehin brüchigen Staatswesens enden könnte. Am Wochenende hatten Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Sanaa bei Protesten gegen Präsident Ali Abdullah Salih mindestens 17 Demonstranten getötet. Im ganzen Land hatten Hunderttausende den Rücktritt Salihs gefordert. Augenzeugen berichteten, Heckenschützen hätten von Dächern aus auf eine Kundgebung mit tausenden Demonstranten in Sanaa gefeuert. Den Berichten zufolge kam es auch zu Gefechten zwischen der Republikanischen Garde, die Salih stützt, und Einheiten von General Ali Mohsen al-Ahmar, der sich schon vor Monaten der Protestbewegung anschloss. Im Jemen kommt es seit neun Monaten zu Massenprotesten gegen den seit 33 Jahren regierenden Salih. Bei der blutigen Niederschlagung der Proteste wurden nach Angaben der jemenitischen Opposition bisher mehr als 860 Menschen getötet.