25. September 2018

IGFM: Nordkorea baut Zwangsarbeitslager aus

Quelle: idea.de

Etwa 200.000 politische Gefangene werden in Nordlorea gequält und gefoltert.

Etwa 200.000 politische Gefangene werden in Nordlorea gequält und gefoltert.

Berlin (idea) – Das kommunistische Regime Nordkoreas treibt den Ausbau von Zwangsarbeitslagern systematisch voran. Dies zeige die Auswertung von Satellitenbildern, berichtete die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bei einer Pressekonferenz am 27. Oktober in Berlin.

Vorstandssprecher Martin Lessenthin (Frankfurt am Main) bezeichnete Nordkorea als abgeriegeltes Land, in dem ein brutales System der Unterdrückung herrsche. Schätzungsweise 200.000 Gefangene würden aus politischen Gründen gequält und gefoltert. Zudem bahne sich eine Hungerkatastrophe an, für die die staatliche Misswirtschaft verantwortlich sei. Unterernährung sei ein Dauerproblem, obwohl sich das Land prinzipiell selbst versorgen könne. Lessenthin: „Die Menschen in Nordkorea sind zu Geiseln der Kim-Dynastie und des Militärs geworden.“ Immer mehr Menschen versuchten zu fliehen. Während das Nachbarland Thailand im Jahr 2004 nur 40 nordkoreanische Asylsuchende registrierte, seien es 2010 bereits 2.482 gewesen.

China könnte für Verbesserung sorgen

Lessenthin zufolge liegt der Schlüssel zur Verbesserung der Menschenrechtslage in Nordkorea bei China. Er forderte die Volksrepublik auf, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen die Ausreise in Drittstaaten wie Südkorea zu ermöglichen, anstatt sie zu denunzieren und nach Nordkorea abzuschieben. Zudem müsse die internationale Gemeinschaft humanitäre Hilfe leisten. Dabei sei es notwendig, die Verteilung von Hilfsgütern zu überwachen.

Gefangener mit Eisenstäben gefoltert

Der Südkoreaner Oh Kil Nam, Opfer und Zeuge der Verschleppung seiner Familienangehörigen, berichtete, dass seine Frau und seine zwei Töchter seit 25 Jahren in einem Lager gefangen gehalten werden und Zwangsarbeit leisten müssen. Ihm selbst sei die Flucht gelungen. Der ehemalige Gulag-Gefangene und Präsident der Organisation „Free the North Korean Gulag“ (Befreit den nordkoreanischen Gulag), Kim Tae Jin, berichtete, dass er nach seiner Flucht 1986 nach China Christ geworden sei. 1988 sei er von der chinesischen Polizei gefasst und nach Nordkorea ausgeliefert worden. In der Haft sei er mit Eisenstäben geschlagen worden. Zu den Foltermethoden hätten zudem der Entzug von Schlaf, Nahrung und Kleidung gehört. 1992 sei er aus der Haft entlassen worden, fünf Jahre später sei ihm die Flucht aus Nordkorea gelungen.

Schlimmste Christenverfolgung

Nordkorea gilt als das Land mit der schlimmsten Christenverfolgung. Erlaubt ist nur der Kult um den „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-Sung (1912-1994) und Diktator Kim Jong-Il (70). Nach Schätzungen werden bis zu 70.000 Christen in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten, weil sie als Staatsfeinde gelten. Von den 24 Millionen Einwohnern sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Protestanten und 800 Katholiken, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören. Mindestens 200.000 versammeln sich im Untergrund.

Bundestagsabgeordnete: Nordkorea hält sich nicht an Abkommen

Die Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, erklärte, kommunistische Systeme wie die DDR, die Sowjetunion oder Kuba seien in Deutschland lange Zeit mit großer Milde betrachtet worden. Nordkorea gehöre zu den repressivsten Regimen der Welt. Besuchern würden „potemkinsche Dörfer“ gezeigt. Zudem halte sich Nordkorea nicht an internationale Abkommen. Ihr fehle derzeit die Vorstellungskraft, wie dieses Land aus seiner Lage herauskommen könne, sagte Steinbach.