22. Juni 2018

Gier beherrscht die Welt

Quelle: idea.de

Der Leiter für Weltstudien an der Universität von Malaysia, Prof. Chandra Muzaffar. Foto: PR

Der Leiter für Weltstudien an der Universität von Malaysia, Prof. Chandra Muzaffar. Foto: PR

Kota Kinabalu (idea) – Kritik an einer weltweit immer stärker werdenden Maßlosigkeit haben Referenten einer Tagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) geübt.

An der Konferenz zum Thema „Interreligiöser Dialog zur Auseinandersetzung mit struktureller Gier“, die vom 25. bis 30. September in Kota Kinbalu (Malaysia) stattfand, nahmen mehr als 40 Delegierte teil, darunter ein Dutzend Muslime, Kirchenvertreter, Volkswirte und Sozialaktivisten. Wie der Leiter für Weltstudien an der Universität von Malaysia, Prof. Chandra Muzaffar (Kuala Lumpur), sagte, beherrsche die Gier die Welt immer stärker – und das, obwohl Religion sie verdamme und die Philosophie sie als Laster betrachte. Spekulationen seien in der Wirtschaft zur treibenden Kraft geworden. „Heutzutage beherrscht Gier die Welt so stark, dass sogar Geld eher zur Handelsware geworden ist, anstatt den Handel zu vermitteln“, so Muzaffar, der auch Gründer und Direktor der „Internationalen Bewegung für eine gerechtere Welt“ ist. Christen und Muslime verbinde, dass sie den Menschen als „Verwalter der Schöpfung Gottes“ und Gier als „Verrat an Gottes Vertrauen in die Menschheit“ betrachteten. Dennoch gebe es in beiden Religionen starken Widerstand gegen die Ablehnung von Gier, wie sie sich in den Mächten der Globalisierung zeige. Selbst islamische Nationen könnten der Macht des Marktes trotz Anordnungen gegen Profitstreben im Koran nicht widerstehen.

Deutscher Theologe vermisst klares Nein zum Kapitalismus

Der Rektor des gastgebenden Theologischen Seminars, Pfarrer Thu En Yu, wies darauf hin, dass der interkulturelle Dialog eine Möglichkeit biete, eine neue Ethik zu formulieren. Diese sei untrennbar mit Religion verbunden. Der deutsche evangelische Theologe Ulrich Duchrow (Karlsruhe) beklagte, dass viele Kirchen indirekt die neoliberale Marktwirtschaft segneten, indem sie so täten, als werde sie immer noch reguliert. „Viele der europäischen Kirchen wollen die klare Entscheidung der ökumenischen Versammlungen zur Ablehnung des kapitalistischen imperialistischen Marktsystems nicht akzeptieren“, so der Theologe. Der LWB ist eine Gemeinschaft von 145 Kirchen in 79 Ländern, denen rund 70 Millionen Mitglieder angehören.