25. September 2018

Drei Viertel aller Christen leben im Süden

Quelle: idea.de

Foto: johnnyb/pixelio.de

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Manado (idea) – Die größte Veränderung in der 2000-jährigen Geschichte der Christenheit hat sich in den vergangenen 100 Jahren ereignet. Ihr Schwerpunkt hat sich in dieser Zeit vom Norden der Erdhalbkugel in den Süden verlagert. Heute befinden sich fast drei Viertel aller Christen in Afrika, Lateinamerika und Asien. 1910 lebten ungefähr 66 Prozent aller Christen in Europa; ein Jahrhundert später sind es noch 26 Prozent.

Das berichtete der australische Religionsstatistiker Peter Crossing (Sydney) beim Globalen Christlichen Forum, das vom 4. bis 7. Oktober in Manado (Indonesien) stattfand. Crossing arbeitet mit anderen Wissenschaftlern an einem Weltatlas der Christenheit. Wie er erläuterte, sei der Anteil der Christen an der Weltbevölkerung – heute etwa 32 Prozent – über die vergangenen 100 Jahre relativ gleich geblieben, aber das „Gravitationszentrum“ habe sich dramatisch nach Süden verlagert. Früher habe der geographische Schwerpunkt etwa auf der Höhe von Madrid gelegen, heute sei er bei Timbuktu (Mali) anzusiedeln. Finanziell dominierten freilich weiter die Christen in den Industrieländern des Nordens: Zwar lebten rund zwei Drittel aller Christen im Süden, aber sie stellten nur einen Einkommensanteil von 17 Prozent.

Keine „Religion des weißen Mannes“

Die rund 300 Teilnehmer des zweiten Globalen Christlichen Forums kamen aus unterschiedlichen Konfessionen, Kirchen und Frömmigkeitsrichtungen. 2008 hatte die erste Tagung in Kenia stattgefunden. Vertreten waren in Indonesien der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die Pfingstkirchliche Weltgemeinschaft und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Der Vorsitzende der Asiatischen Evangelischen Allianz, der Koreaner Sang-Bok David Kim (Seoul), sagte, die Entwicklung zeige deutlich, dass das Christentum keine „Religion des weißen Mannes“ mehr sei. „Christen sind jetzt überall“, erklärte der evangelikale Theologe. Der Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, der lutherische Kirchenpräsident Walter Altmann (Porto Alegre/Brasilien), betonte, dass der Wandel in der kirchlichen Landschaft die Christen vor die Aufgabe stelle, ihre Gemeinschaft stärker zu betonen. Die römisch-katholische Kirche hat weltweit etwa 1,2 Milliarden Mitglieder. Im ÖRK sind 349 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit insgesamt 560 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen. Die WEA repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale. Die Pfingstbewegung wird auf etwa 178 Millionen Anhänger geschätzt.