20. Juli 2018

Eilprotest: Iranischer Pastor kann jederzeit gehenkt werden

Quelle: idea.de

Das Todesurteil gegen den iranischen Pastor Youcef Nadarkhani ist bestätigt. Foto: PR

Das Todesurteil gegen den iranischen Pastor Youcef Nadarkhani ist bestätigt. Foto: PR

CDU-Generalsekretär appelliert an iranischen Botschafter: Hinrichtung verhindern

Teheran/Frankfurt am Main (idea) – Die Zeit für Proteste drängt: Bereits am 29. September könnte der iranische Pastor Youcef Nadarkhani gehenkt werden. Wegen „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und „Abfall vom islamischen Glauben“ ist der 35-jährige Leiter einer 400 Mitglieder zählenden Untergrundgemeinde zum Tode verurteilt worden. Nur wenn er sich vom christlichen Glauben lossagte, könnte er sein Leben retten. Das geht aus einer Gerichtsentscheidung im Wiederaufnahmeverfahren hervor. Das Gericht in Gilan untersuchte, ob Nadarkhani vor seinem Glaubenswechsel Muslim gewesen sei; dies wurde festgestellt und damit auch das Todesurteil bestätigt. In der Islamischen Republik Iran gilt das islamische Religionsgesetz, die Scharia, das den „Abfall vom Islam“ mit dem Tode bedroht.

Gröhe: Iran bricht völkerrechtlich verbindliche Abkommen

Menschenrechtler und Politiker fordern die sofortige Freilassung Nadarkhanis. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat sich bereits zum zweiten Mal in dieser Sache an den iranischen Botschafter in Berlin gewandt. In seinem Schreiben vom 28. September zeigt sich Gröhe „tief erschrocken und empört, dass das Todesurteil gegen Herrn Nadarkhani bestehen bleibt“. Ihm werde das Menschenrecht auf Religionsfreiheit verwehrt. Die Anschuldigungen rechtfertigten in gar keinem Fall die Todesstrafe, die Gröhe ohnehin ablehnt. Dass die Lossagung vom christlichen Glauben die einzige Möglichkeit sei, das Leben des Pastors zu retten, sei ein klarer Bruch internationaler und völkerrechtlich verbindlicher Abkommen. Gröhe appelliert erneut an den Botschafter, sich gegen die Hinrichtung Nadarkhanis und für die Gewährung der Religionsfreiheit einzusetzen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) appelliert an alle Bürger, sich per Fax oder E-Mail an den iranischen Botschafter in Berlin zu wenden. Wenn das Urteil vollstreckt werden sollte, sei zu befürchten, dass bis zu 500.000 weitere Christen im Iran von Hinrichtung bedroht seien.

„Gefangener des Monats“

Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten Nadarkhani im Dezember 2010 als „Gefangenen des Monats“ benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Er war als 19-Jähriger Christ geworden. Nadarkhani ist verheiratet und hat zwei Söhne, die sechs bzw. acht Jahre alt sind. Seine Ehefrau, Fatemeh Pasandideh, war ebenfalls wegen ihres Glaubens inhaftiert, ist aber wieder auf freiem Fuß. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.