21. Juli 2018

Christen fordern Freiheit für iranischen Pastor

Quelle: idea.de

Youcef Nadarkhani soll wegen seines Glaubens gehenkt werden. Foto: PR

Youcef Nadarkhani soll wegen seines Glaubens gehenkt werden. Foto: PR

Hamburg (idea) – Für die sofortige Freilassung des iranischen Pastors Youcef Nadarkhani gehen Christen und Menschenrechtler in Hamburg auf die Straße. Dem 35-jährigen Leiter einer 400 Mitglieder zählenden Untergrundgemeinde droht wegen seines Übertritts zum christlichen Glauben der Tod durch den Strang.

Die Hamburger Arbeitsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Allianz in der Hansestadt rufen zu einer Demonstration am 16. September auf. Von der Meenkwiese nahe des U-Bahnhofs Lattenkamp soll der Protestmarsch zum iranischen Konsulat in der Bebelallee ziehen. Die Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International hat ebenfalls eine Briefaktion für Nadarkhanis Freilassung gestartet. Der Pastor war im Alter von 19 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Er protestierte laut Amnesty auch gegen den islamischen Pflichtunterricht. 2010 wurde er zum Tode verurteilt; Ende Juni hat der Oberste Gerichtshof der Islamischen Republik das Urteil in letzter Instanz bestätigt. Die Hinrichtung kann jederzeit vollstreckt werden. Die Menschenrechtsorganisationen sehen die Verurteilung als Verstoß gegen internationales Recht an, denn der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den der Iran unterzeichnet hat, sehe die Religionsfreiheit für alle Menschen einschließlich des Rechts auf Glaubenswechsel vor.

Mitglieder von Untergrundgemeinden in Gefahr

Laut IGFM hat das Todesurteil gegen Nadarkhani weitreichende Konsequenzen. Wenn der Pastor wegen „Abfalls vom Islam“ gehenkt würde, wäre eine große Zahl iranischer Christen ebenfalls von der Hinrichtung bedroht, warnt der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin (Frankfurt am Main). Bleibe ein deutlich hörbarer Protest aus, würden Mitglieder der Untergrundgemeinden „dem Regime ans Messer geliefert“. Bisher hätten die staatlichen Verantwortlichen alle Schreiben und Anfragen ignoriert. Die IGFM und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten Nadarkhani bereits im Dezember 2010 als „Gefangenen des Monats“ benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen.

Allianz: Todesstrafe sofort aufheben

Der Geschäftsführer der Evangelischen Allianz Hamburg, Pastor Detlef Pieper, erklärte gegenüber idea, man trete dafür ein, dass jeder Mensch seine Religion ungehindert und frei praktizieren dürfe, sofern die Handlungen nicht im Widerspruch zu den demokratischen Menschenrechten stünden. Deshalb unterstütze die Allianz die Demonstration der IGFM für Nadarkhani und fordere die sofortige Aufhebung der Todesstrafe. Die Kampagne wird nach Angaben der IGFM von zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens unterstützt, etwa von der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Nadarkhani ist verheiratet und hat zwei Söhne, die sechs bzw. acht Jahre alt sind. Seine Ehefrau, Fatemeh Pasandideh, war ebenfalls wegen ihres Glaubens inhaftiert, ist aber wieder auf freiem Fuß. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.