16. August 2018

Spekulationen um Obama neu entfacht: Ist er Muslim?

Quelle: idea.de

US-Präsident Barack Obama. Wikipedia/Pete Souza

US-Präsident Barack Obama. Wikipedia/Pete Souza

New York (idea) – Der Streit um die Errichtung eines Islam-Zentrums mit Moschee in der Nähe von Ground Zero in New York hat erneut Spekulationen um die Religionszugehörigkeit von US-Präsident Barack Hussein Obama entfacht.

Er hatte erklärt, grundsätzlich könnten Muslime religiöse Stätten errichten, wo sie wollten. Dies wurde als Unterstützung für das Projekt gewertet, das viele US-Amerikaner als Provokation empfinden, da die Massenmörder der Anschläge vom 11. September 2001 islamische Extremisten des Netzwerks El Kaida waren. Schon seit Obamas Wahl zum Präsidenten kursierten Theorien, dass der Protestant in Wirklichkeit Muslim sei. Der 49-jährige Sohn eines muslimischen Kenianers und einer US-amerikanischen Mutter ist vom 6. bis 10. Lebensjahr im überwiegend muslimischen Indonesien aufgewachsen. Als Erwachsener gehörte er aber jahrzehntelang einer Gemeinde der evangelischen Vereinten Kirche Christi (UCC) in Chicago an. Anfang 2008 trennte er sich von ihr, weil Äußerungen des damaligen Hauptpastors Jeremiah A. Wright im Wahlkampf Irritationen ausgelöst hatten.

Jeder fünfte US-Amerikaner hält Obama für einen Muslim

Jetzt zeigte sich bei zwei Umfragen in den USA fast jeder fünfte bzw. jeder vierte Befragte überzeugt, dass Obama Muslim sei. Bei einer Befragung durch das Pew-Forschungsinstitut (Washington) äußerten 18 Prozent diese Meinung, elf Prozent mehr als im März 2009. 34 Prozent hielten Obama für einen Christen, 43 Prozent weniger als vor eineinhalb Jahren. Eine Untersuchung des Time-Magazins ergab ähnliche Ergebnisse. 24 Prozent glauben, dass Obama Muslim ist; im März 2009 waren elf Prozent dieser Meinung. Nach dieser Umfrage halten 47 Prozent Obama für einen Christen. Der Rest ist sich nicht sicher. Das Weiße Haus wies alle Spekulationen über eine Zugehörigkeit des Präsidenten zum Islam zurück. Sprecher Bill Burton sagte vor Journalisten: „Der Präsident ist offensichtlich Christ. Er betet jeden Tag.“

Demokratischer Senator distanziert sich von Obama

Unterdessen schlägt der Streit um das geplante Islam-Zentrum in Manhattan hohe politische Wellen. 63 Prozent der Wähler im Bundesstaat New York sind gegen das Bauprojekt, 27 Prozent dafür. Das 13 Stockwerke hohe Gebäude soll wenige Hundert Meter von dem Ort entfernt entstehen, wo Selbstmordterroristen am 11. September 2001 Flugzeuge in die Zwillingstürme des Welthandelszentrums leiteten und 2.976 Menschen töteten. Gegner des Projekts empfinden dies als Provokation, Befürworter sehen es hingegen als Zeichen für Amerikas religiöse Toleranz an. Die Sprecherin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, befürchtet, dass Republikaner den Streit politisch ausschlachten. Doch auch der Sprecher ihrer Partei im Senat, Harry Reid (Bundesstaat Nevada) erklärte, das Islam-Zentrum sollte an einem anderen Ort gebaut werden.

Gouverneur und Erzbischof wollen vermitteln

Als Vermittler in dem Streit hat sich der katholische Erzbischof von New York, Timothy M. Dolan, angeboten. Der Gouverneur des Staates New York, David Paterson, erklärte sich bereit, ein weiter von Ground Zero entferntes Grundstück für das Islam-Zentrum zur Verfügung zu stellen. Nach Angaben seiner Berater sucht Paterson Gespräche mit Muslimen, die hinter dem Projekt stehen. Die sogenannte Cordoba-Initiative und die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Muslime haben das Grundstück in Manhattan für umgerechnet 3,8 Millionen Euro erworben. Der Bau soll 78 Millionen Euro kosten. Oz Sultan, Sprecher der Initiative, bestätigte erste Gespräche mit Paterson. Es gebe aber bisher keinen Kontakt zwischen dem Gouverneur und Imam Feisal Abdul Rauf, dem religiösen Kopf der Initiative. Sultan wollte sich der britischen Zeitung „Times“ zufolge nicht dazu äußern, ob Saudi-Arabien oder der Iran zur Finanzierung des Zentrums beitragen.

„Sohn von Hamas“: Klinik statt Moschee

Einer der schärfsten Kritiker des Projekts ist der christliche Publizist Mosab Hassan Yousef, Sohn eines Gründers der palästinensischen Terrororganisation Hamas. Er ist überzeugt, dass Muslime damit eine „starke politische und religiöse Botschaft“ verbinden. Das Zentrum werde als „kühne Bekräftigung“ des Korans dienen. Wenn die Initiative wirklich etwas für Versöhnung tun wolle, dann sollte sie ein Krankenhaus statt einer Moschee bauen, so Yousef, der durch sein Buch „Sohn der Hamas“ weltweit bekannt wurde. Der Fernsehevangelist und Islam-Kritiker Bill Keller will am 5. September als Reaktion auf die Moschee ein christliches Zentrum eröffnen. Es solle der „Religion der Gewalt und des Hasses“ die Botschaft von „Frieden, Liebe und der rettenden Gnade Jesu Christi“ entgegensetzen.