21. September 2018

Sachsen: Hochwasser beschädigt Kirchengebäude

Quelle: idea.de

Apostelkirche in Zittau: Totalschaden bei der Inneneinrichtung. Foto: PR

Apostelkirche in Zittau: Totalschaden bei der Inneneinrichtung. Foto: PR

Zittau/Görlitz (idea) – Die Hochwasserkatastrophe in Sachsen hat auch Kirchengebäude und kirchliche Einrichtungen in Mitleidenschaft gezogen. Nach heftigen Regenfällen und einem Dammbruch in Polen kam es zu schweren Überschwemmungen.
 

Betroffen ist unter anderem die evangelisch-lutherische Apostelkirche in Zittau im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien. In der 28.000-Einwohner-Stadt trat der kleine Fluss Mandau innerhalb weniger Stunden über die Ufer und drang auch in das Kirchengebäude ein. Pfarrer Christoph Stempel sprach gegenüber idea von einem „Totalschaden“ bei der Inneneinrichtung. Das Wasser habe 80 Zentimeter hoch in dem Gebäude gestanden und „so ziemlich alles“ beschädigt, etwa die Kirchenbänke, die Orgel und ein Klavier. Noch schlimmer als Zittau erwischte es das an der Neiße gelegene Zisterzienserinnen-Kloster Marienthal in Ostritz. Der gesamte fast 800 Jahre alte Klosterkomplex steht unter Wasser. Die Schwestern sind wohlauf. Sie hatten eine Evakuierung abgelehnt und harren im Kloster aus.

Diakoniewerk Martinshof evakuiert

In Rothenburg bei Görlitz musste das Diakoniewerk Martinshof wegen des Hochwassers geräumt werden. Rund 300 alte und behinderte Bewohner wurden in andere Unterkünfte verlegt, unter anderem in eine Polizeischule und eine Einrichtung der Bundeswehr. Wie der Sprecher des Martinshofes, Christoph Lötsch, gegenüber idea sagte, sei die dreistündige Aktion ohne Schwierigkeiten verlaufen. „Besonders Senioren sagten, sie hätten schon ganz andere Situationen gemeistert“, so Lötsch. Bundeswehr und Technisches Hilfswerk (THW) halfen bei der Sicherung des Gebäudes. Wie durch ein Wunder seien nur kleinere Schäden an den Gebäuden zu beklagen, etwa durch nach oben gedrückte Abwässer, so Lötsch. „Mit Gottes Hilfe haben wir das durchgestanden.“ In den zum Martinshof gehörenden Behindertenwerkstätten wurde am 9. August bereits wieder gearbeitet. Das Diakoniewerk ist mit seinen rund 500 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region.

Görlitz: Kirchengebäude unversehrt

In Görlitz, wo der Pegel der Neiße auf 7,07 Meter stieg – den höchsten Wert seit Beginn der Messungen 1912 – blieben die Kirchengebäude unversehrt. „Die meisten Kirchen wurden ja auf Hügeln erbaut“, sagte der Superintendent des Kirchenbezirks Görlitz, Thomas Koppehl (Niesky). Das zahle sich in einer solchen Situation aus. Gottesdienste hätten nicht ausfallen müssen. „Wir haben die Gemeinden dazu aufgerufen, zu Bittgottesdiensten einzuladen“, so Koppehl. In Görlitz hatte sich die Lage am 9. August wieder entspannt. Die geplante Rüstzeit für die Pfarrer des Kirchenbezirks sagte Koppehl trotzdem ab: „Die Pfarrer werden vor Ort jetzt dringender gebraucht.“ Dieser Ansicht ist auch der Bad Muskauer Pfarrer Steffen Schumann: „Es würde kein gutes Bild abgeben, wenn wir Pfarrer ausgerechnet jetzt nicht vor Ort wären, wo vielen Menschen das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals steht.“ In Bad Muskau, dessen Fürst-Pückler-Park zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, wird der Höchstpunkt der Flut für den 9. August erwartet. Für viele Menschen im Ort habe es eine seelsorgerliche Dimension, wenn sie wüssten, der Pfarrer sei da, so Schumann.