21. September 2018

Ost- und Westdeutsche „fremdeln“ nach wie vor

Quelle: idea.de

Bad Blankenburg (idea) – Auch 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind sich Bürger in Ost und West vielfach noch fremd. Christen seien da keine Ausnahme, erklärten Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „20 Jahre deutsche Einheit“ am 1. August bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg.
 

So beklagte der aus den alten Bundesländern stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (Chemnitz), dass viele Westdeutsche noch nie im östlichen Teil Deutschlands gewesen seien. Stattdessen pflegten sie Klischees und Halbwahrheiten, wie die, dass sie den Aufbau Ost finanzierten. Dabei werde der Solidaritätszuschlag von allen Beschäftigten in Deutschland gezahlt. Viele Ostdeutsche wiederum betrachteten sich als Verlierer der deutschen Einheit, was ebenfalls so nicht stimme, sagte Heinrich, der von 1997 bis 2009 mit seiner Frau die Heilsarmee-Gemeinde in Chemnitz leitete.

Wo ist der Geist des Aufbruchs?

Der Direktor des Allianzhauses, Pfarrer Reinhard Holmer (Bad Blankenburg), bedauerte, dass viele Christen im Osten den Geist des Aufbruchs aus den Jahren 1989 und 1990 anscheinend verloren hätten. Er habe den Eindruck, dass sich immer mehr Christen aus Politik und Gesellschaft zurückzögen. Dabei hätten vor 20 Jahren besonders Christen Verantwortung übernommen und das Land mit aufgebaut. Holmer forderte dazu auf, das auch in Zukunft zu tun. Gemeinden sollten sich nicht mit dem Engagement etwa in Posaunenchören und Kindergärten zufrieden geben, auch wenn das eine ehrenvolle und wichtige Arbeit sei.

Wo Christen voneinander lernen können

Heinrich und Holmer riefen Christen in Ost und West auf, stärker aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen. So hätten ostdeutsche Christen in der DDR gelernt, Rückgrat zu beweisen. Außerdem sei der Zusammenhalt im Osten auch unter Christen weithin stärker als das im Westen der Fall sei. Christen in den neuen Bundesländern könnten von ihren Geschwistern im Westen wiederum lernen, ihre Meinung deutlicher zu artikulieren und ihre Rechte als Bürger – etwa bei Wahlen – nachhaltiger wahrzunehmen. Christen in Ost und West sollten stärker das Gemeinsame suchen, denn „die Situation wird auch für Christen in Deutschland in Zukunft nicht leichter werden“, so Holmer.