18. Juni 2018

Sterbenden nicht immer die Wahrheit sagen

Quelle: idea.de

Medizinprofessor Volker Diehl: Patienten erwarten barmherzige Begleitung. Foto: LebensWert e.V.

Medizinprofessor Volker Diehl: Patienten erwarten barmherzige Begleitung. Foto: LebensWert e.V.

Altenburg (idea) – Ärzte müssen sterbenden Patienten nicht immer die vollständige Wahrheit über ihren Zustand mitteilen. Dieser Ansicht ist der Mediziner Prof. Volker Diehl (Stolpe bei Berlin).
 

Wie er beim Jahresfest der Evangelischen Lukas-Stiftung Altenburg (Ostthüringen) am 6. Juni sagte, erwarte ein todkranker Patient eher Barmherzigkeit als die ganze Wahrheit. Der Arzt müsse in diesem Fall zum „Barmherzigen Samariter“ werden, der die Schmerzen nehme und dem Kranken beistehe. Nach Diehls Erfahrungen fällt es gläubigen Patienten nicht unbedingt leichter, vom Leben Abschied zu nehmen. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn ein Christ zwar um seine Schuld im Leben wisse, diese aber nicht abgeben könne. „Diese Patienten leiden wie Jesus am Kreuz“, so Diehl. Wenn dann ein Seelsorger Hilfe geben könne, sei dies „die letzte große Tat und die schönste Vermittlung von Hoffnung“.

Was ein Patient vom Arzt erwartet

Ob ein Kranker einen christlichen Arzt einem nicht-gläubigen Kollegen vorziehe, entscheide sich nicht am „Heiligenschein“ des Mediziners. Ausschlaggebend seien fachliche Kompetenz, persönliche Glaubwürdigkeit und die Fähigkeit, Vertrauen zu vermitteln. Ein chaotischer, schlecht gelaunter und inkompetenter Mediziner könne keine Hoffnung vermitteln. Diehl war lange Jahre Direktor der Klinik für Innere Medizin der Uniklinik Köln. 1997 gründete er den Verein LebensWert, der sich um die psychologische Betreuung Krebskranker kümmert. Die Evangelische Lukas-Stiftung Altenburg ist Träger der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Leitspruch des Krankenhauses ist das Jesus-Wort „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6,36).