18. Juni 2018

Muslime sollen für Religionsfreiheit in Türkei werben

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, berichtete über seine abgebrochene Reise. Foto: PR/Werner Schüring

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, berichtete über seine abgebrochene Reise. Foto: PR/Werner Schüring

Berlin (idea) – Muslime in Deutschland sollen sich für Religionsfreiheit in der Türkei einsetzen und die Erfahrung der Glaubensfreiheit in die Welt hinaustragen. Dazu hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, aufgerufen.
 

Der evangelische CDU-Politiker berichtete am 3. Juni in Berlin vor Journalisten über seine abgebrochene Reise in die Türkei. Kauder war am 31. Mai mit einer Delegation von Kirchenvertretern zu aufgebrochen, musste jedoch wegen des überraschenden Rücktritts von Bundespräsident Horst Köhler vorzeitig heimkehren. Auf dem Programm standen Treffen mit griechisch-orthodoxen, chaldäisch-katholischen sowie protestantischen Christen. Kauder kündigte an, sich auch bei geplanten Reisen nach Malaysia, Indonesien, Indien und Afrika für Religionsfreiheit einzusetzen. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Johannes Singhammer, der als Delegationsmitglied die Türkeireise fortgesetzt hatte, sagte, er habe den Eindruck gewonnen, dass die türkischen Behörden Kirchen als touristische Sehenswürdigkeiten erhalten, aber nicht im gleichen Maße am religiösen Leben der Christen interessiert seien. Singhammer forderte dazu auf, den Bau und die Renovierung von Kirchen ohne Hindernisse zuzulassen. Zudem müsse die Möglichkeit zur Priesterausbildung wieder gegeben sein. Die türkischen Behörden hatten 1971 das griechisch-orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Chalki geschlossen. Seitdem kann kein geistlicher Nachwuchs mehr ausgebildet werden.

„Axt an die Zukunft der Kirche gelegt“

Der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland, Prälat Bernhard Felmberg (Berlin), sagte, mit der Schließung des Priesterseminars sei in der Türkei die „Axt an die Zukunft der Kirche gelegt“. Viele Priester seien bereits im Pensionsalter. Im griechisch-orthodoxen Patriarchat gebe es ein hohes Maß an Frustration. Die türkische Regierung betreibe eine „Taktik des Abwartens und Hinhaltens“, und es gebe eine „subtile Diskriminierung“. So hätten es offiziell registrierte Christen schwer, Arbeit zu finden. Der Leiter des Kommissariats der katholischen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten (Berlin), dankte Kauder, dass er das Thema der Christenverfolgung zu einem Schwerpunkt gemacht habe. Die Bundesregierung solle auf Ankara einwirken, dass Christen in der Türkei die gleichen Rechte genießen wie Muslime in Deutschland.

Allianzbeauftragter: Kaum staatliche Anerkennung für Protestanten

Der Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz der Bundesregierung, Wolfgang Baake (Wetzlar), sagte, die protestantischen Kirchen hätten in der Türkei derzeit etwa 4.000 Mitglieder. 99 Prozent von ihnen seien konvertierte Muslime. Von den 70 Gemeinden in der Türkei seien nur 20 offiziell registriert; die anderen bekämen von der Regierung keine Genehmigung. Zwar sei Religionsfreiheit in der türkischen Verfassung festgeschrieben. Diese sei jedoch in der Praxis nicht gewährleistet. So werde in Schulbüchern christliche Mission als Bedrohung beschrieben. Nach offiziellen Angaben sind 99 Prozent der 73 Millionen Türken Muslime.