18. Juni 2018

Kirchen sollen sich mit Atheismus beschäftigen

Quelle: idea.de

Der Theologieprofessor Wolf Krötke. Foto: PR

Der Theologieprofessor Wolf Krötke. Foto: PR

Berlin (idea) – Die Kirchen sollten sich mehr mit dem Atheismus beschäftigen. Dafür hat sich der Theologieprofessor Wolf Krötke (Berlin), bei einer Festveranstaltung der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) am 12. Juni in Berlin ausgesprochen.
 

Die EZW wurde vor 50 Jahren als Einrichtung der EKD gegründet. Sie hat den Auftrag, religiöse und weltanschauliche Zeitströmungen zu beobachten und zu beurteilen. Auch will sie zur christlichen Orientierung beitragen und den Dialog mit Anders- und Nichtglaubenden fördern. Wie Krötke sagte, sei es unberechtigt zu hoffen, dass sich atheistische Milieus mit der „Wiederkehr der Religion“ auflösen. Zwar sei in Europa neu ein Interesse am Religiösen erwacht. Dabei bastelten sich Menschen ihren Glauben aus unterschiedlichsten religiösen Traditionen selbst zusammen. Wo diese jedoch im Leben von Menschen gar nicht mehr vorkämen, gebe es jedoch auch kein Material zum Basteln, so Krötke. Die Kirche solle keine „schalldichten Mauern“ gegenüber Nichtglaubenden bauen, sondern sie müsse so viel wie möglich dafür tun, dass Verstehensbrücken entstehen.

Aufgabe: „Unterscheidung der Geister“

Dem EZW-Leiter Reinhard Hempelmann (Berlin) zufolge will die EZW zur „Unterscheidung der Geister“ beitragen sowie die Urteilsfähigkeit in Kirche, Gemeinde und Gesellschaft fördern. Mit dem Umzug der Zentrale von Stuttgart nach Berlin vor 15 Jahren seien die Themen Säkularismus, Entkirchlichung, Konfessionslosigkeit und Atheismus neu ins Blickfeld getreten. In einem durch Distanz zu allem Religiösen geprägten Umfeld wie in Berlin werde deutlich, das es nicht in der Religion krankmachende Ausdrucksformen gebe. Auch gesteigerte Formen des Säkularismus könnten etwas Gewaltsames an sich haben. Man müsse darüber diskutieren, welche Folgen der Verlust an religiöser Orientierung für das Leben des Einzelnen sowie für das Rechtsbewusstsein und die Werteorientierung in der Gesellschaft habe. Die EZW wurde 1960 in Stuttgart gegründet. Sie wollte die Arbeit der 1921 gegründeten „Apologetischen Centrale“ fortsetzen, die ihre Tätigkeit 1937 auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber einstellen musste.