22. Juli 2018

EKD fordert Schutz für christliches Zentrum bei Bethlehem

Quelle: idea.de

Der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte protestiert bei israelischer Botschaft gegen drohenden Abriss.

Der EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte protestiert bei israelischer Botschaft gegen drohenden Abriss.

Hannover/Bethlehem (idea) – Gegen den drohenden Abriss eines christlichen Begegnungszentrums im Westjordanland hat EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) am 3. Juni bei der israelischen Botschaft in Berlin protestiert.
 

Teile des von palästinensischen Christen betriebenen Zentrums „Zelt der Völker“ nahe Bethlehem soll von der israelischen Armee zerstört werden. Es ist umgeben von jüdischen Siedlungen. Die von Daoud Nassar geleitete Einrichtung wirbt für Verständigung und Frieden zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Wie der 40-jährige Lutheraner im Internet berichtet, überbrachten am 27. Mai israelische Beamte und Soldaten eine Verfügung. Danach müssen neun Gebäudeteile abgerissen werden, weil sie ohne Baugenehmigungen der Militärbehörde errichtet worden seien. Nassar zufolge stellen die israelischen Behörden Palästinensern niemals Baugenehmigungen aus. Er rief dazu auf, bei den Botschaften Israels in aller Welt und der israelischen Regierung gegen die Verfügung zu protestieren. Schindehütte fordert die Aufhebung der Abrissanordnung. Der Staat Israel müsse auch als Besatzungsmacht internationales Recht anerkennen und umsetzen. Darüber hinaus müsse auch die Menschlichkeit der Maßstab bleiben – „und dies dann nicht nur für die berechtigten Sicherheitsinteressen der israelischen Bevölkerung und den Schutz jüdischer Siedler beansprucht werden“, so der Bischof.

Frist um wenige Tage verlängert

Wie Nassar mitteilt, haben die ersten Proteste gegen die drohende Zerstörung der Einrichtung bereits zu einer Fristverlängerung der Anordnung geführt. Ursprünglich habe die Armee geplant, die Gebäude am 2. Juni abzureißen; nun habe sie weitere fünf Tage Verlängerung eingeräumt. Das Grundstück befindet sich nachweislich seit 1924 im Besitz der Familie Nassar. Doch die Dokumente werden von den israelischen Behörden nicht anerkannt. Wiederholt haben jüdische Siedler illegal Wege und Straße durch das 42 Hektar große Gelände gebaut. Nassar hat Betriebswirtschaft und Tourismus-Management studiert und eine christliche Schule in Bait Dschala sowie die Bibelschule Schloss Klaus bei Linz (Österreich) besucht. Auch das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee hat zur Solidarität mit dem Projekt „Zelt der Völker“ aufgerufen. 2007 hatte es den gewaltfreien Einsatz der Familie Nassar gegen illegale Landnahme durch Israel mit dem Michael-Sattler-Friedenspreis gewürdigt.