16. August 2018

Klavierlehrer missbrauchte Schüler in freikirchlicher Einrichtung

Quelle: idea.de

Die Übergriffe ereigneten sich in den achtziger und Anfang der neunziger Jahre im Schulzentrum Marienhöhe Darmstadt. Foto: PR

Die Übergriffe ereigneten sich in den achtziger und Anfang der neunziger Jahre im Schulzentrum Marienhöhe Darmstadt. Foto: PR

Darmstadt (idea) – Jetzt sind auch Fälle sexuellen Missbrauchs in einer freikirchlichen Einrichtung bekannt geworden. Betroffen ist das Schulzentrum Marienhöhe Darmstadt, eine Einrichtung der Siebenten-Tags-Adventisten.
 

In den achtziger und Anfang der neunziger Jahre habe es sexuelle Übergriffe durch einen externen Klavierlehrer gegeben, der in der Schule auf privater Basis unterrichtet habe, heißt es in einer Stellungnahme des Schulzentrums, die der Adventistische Pressedienst (APD) veröffentlicht hat. Die Schule habe dem Klavierlehrer, der nicht angestellt gewesen sei, Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt, um die zusätzliche Belastung der Schüler so gering wie möglich zu halten. Dass dies „in tragischer Weise zerstörerisch ausgenutzt wurde, erfüllt uns mit tiefer Betroffenheit“, heißt es in der Stellungnahme. Die Übergriffe hätten sich von etwa 1984 bis zum Schuljahr 1990/1991 ereignet. Die Mutter eines Schülers habe den Klavierlehrer dabei ertappt, als er deren Sohn missbrauchte, teilte der seit dem Jahr 2000 amtierende Schulleiter Gunter Stange mit. Die Eltern hätten die Schulleitung über den Vorfall informiert, sodass der Lehrer von der Schule verwiesen worden sei. Auf idea-Anfrage, ob damals Anzeige gegen den Klavierlehrer erstattet wurde, sagte der heutige Schulleiter, dazu lägen ihm keine Informationen vor.

Zweites Opfer offenbarte sich 2005

Nach Angaben des Schulzentrums hat außerdem ein ehemaliger Schüler seinen Eltern 2005 offenbart, dass er in den achtziger Jahren Opfer der Übergriffe wurde. Die Eltern hätten den Vorfall in einem Brief vom März 2010 geschildert. Der damals stellvertretende Schulleiter habe daraufhin umgehend mit den Eltern und dem Sohn Gespräche geführt. Die Schulleitung bittet weitere Betroffene, mit ihr Kontakt aufzunehmen, um die damaligen Vorfälle aufarbeiten zu können. Der Vorstand des Schulträgers, die Schulleitung und die Mitarbeiter verurteilten die sexuellen Übergriffe und drückten den Opfern ihr tiefes Mitgefühl aus. „Wir gehen den Vorkommnissen nach und werden alles in unseren Kräften stehende tun, um eine Klärung herbei zu führen“, heißt es in der Stellungnahme. Das Schulzentrum der Siebenten-Tags-Adventisten wurde 1924 gegründet. Es umfasst eine Realschule, ein Gymnasium, eine Kollegstufe und ein Internat. Insgesamt werden rund 700 Schüler unterrichtet. Am 15. März hatte die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) das Schulzentrum besucht und das Prädikat „Gesundheitsfördernde Schule“ überreicht. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat in Deutschland rund 36.000 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Kirchen feiern sie den Sonnabend und nicht den Sonntag als Ruhetag. Außerdem legen sie Wert auf eine gesunde Lebensweise und verzichten auf Alkohol- und Tabakgenuss.