22. Juli 2018

Bayern: Pfarrer missbrauchten junge Frauen

Quelle: idea.de

Johannes Friedrich räumt unzureichende Aufarbeitung ein.

Johannes Friedrich räumt unzureichende Aufarbeitung ein.

Weiden/Windsbach/Mosbach (idea) – Dem Verdacht sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen ist man auch in der evangelischen Kirche nicht immer energisch genug nachgegangen. Diesem Vorwurf muss sich jetzt die bayerische Landeskirche stellen.
 

Zwei Frauen hätten zwei Pfarrer beschuldigt, sie als Jugendliche missbraucht zu haben, teilte die Landeskirche mit. Die Fälle hätten sich in den sechziger bzw. achtziger Jahren ereignet. Gegen einen mutmaßlichen Täter wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das mit der Aufforderung an den Pfarrer endete, sich bei der Frau zu entschuldigen. Der Pfarrer amtiert bis heute. Dieser Fall sei nicht umfassend aufgearbeitet worden, räumte Landesbischof Johannes Friedrich (München) am Rande der Synodentagung in Weiden (Oberpfalz) ein. Man habe versäumt, das Opfer anzuhören. Auch sei der Entschuldigungsbrief bei der damals in Südafrika lebenden Frau nicht angekommen. Aufgrund strengerer Richtlinien sei inzwischen ein neues Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Der andere beschuldigte Pfarrer befindet sich im Ruhestand. Zur Aufklärung des Sachverhalts wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Neue Vorwürfe auch gegen Windsbacher Knabenchor

Unterdessen haben acht ehemalige Schüler des renommierten Windsbacher Knabenchores ihren Erziehern Misshandlungen vorgeworfen. Sie sollen zwischen 1946 und den siebziger Jahren stattgefunden haben. Medienberichten zufolge hat die damalige Chorleitung Sänger und Internatsschüler systematisch misshandelt und in drei Fällen in den Suizid getrieben. Die Vorwürfe würden sehr ernst genommen und gründlich untersucht, so die jetzige Leitung. Bereits vor fünf Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Ansbach (Mittelfranken) gegen den damaligen Leiter des Knabenchors, Karl-Friedrich Beringer, ermittelt. Die Mutter eines ehemaligen Sängers hatte ihn bezichtigt, in mehreren Fällen Schutzbefohlene misshandelt zu haben. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, teilte die Staatsanwaltschaft mit und stellte das Verfahren ein.

Sexueller Missbrauch in badischer Diakonie

Auch in der badischen „Johannes-Diakonie“ in Mosbach sollen sich Verfehlungen wie sexueller Missbrauch und sadistische Misshandlungen von behinderten Kindern und Jugendlichen ereignet haben. In der Rhein-Neckar-Zeitung berichtet ein ehemaliger Bewohner, dass er in den sechziger Jahren über zehn Jahre lang sexuelle Übergriffe und körperliche Misshandlungen erdulden musste. Der heutige Vorstand der Behinderteneinrichtung halte die Schilderungen für glaubhaft und habe dem Opfer neben rückhaltloser Aufklärung sofort „alle erdenkliche Hilfe“ zugesichert, so die Zeitung.