22. Juni 2018

Suchtexperten: Kein Verständnis für Käßmanns Alkoholfahrt

Quelle: idea.de

Hannover (idea) – Kein Verständnis für ihre Alkoholfahrt findet die EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover), bei evangelischen Suchtexperten und konservativen Protestanten.
 

Sie war am 20. Februar in Hannover mit 1,54 Promille Alkohol im Blut Auto gefahren und hatte zudem eine rote Ampel übersehen. Ihr droht nun ein Strafverfahren, das eine Geld- oder Gefängnisstrafe nach sich ziehen könnte. Aus Sicht des evangelischen Suchthilfeverbandes „Blaues Kreuz“ gibt es keine Entschuldigung für ein solches Verhalten. Jeder wisse, dass man sich nicht ans Steuer setzen dürfe, wenn man Alkohol getrunken habe, sagte Vorstandsmitglied Reinhard Holmer (Bad Blankenburg/Thüringen), gegenüber idea. Auch könne niemand die Folgen des Konsums von Bier, Wein oder Schnaps abschätzen. Meist sei der Alkoholspiegel höher, als man denke. Die einzige Alternative sei der Verzicht auf Alkohol. „Nur Null Komma Null Promille richtet keinen Schaden an“, so Holmer. Der Pfarrer ist Direktor des Evangelischen Allianzhauses in Bad Blankenburg.

Evangelische Allianz: Unverständlich und unverantwortlich

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), findet es unverständlich und unverantwortlich, „wie man so viel Alkohol trinken kann, dass man danach nicht mehr weiß, was man tut“. Zur Stressbewältigung gebe es andere Möglichkeiten. Der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), bezeichnete Käßmanns Alkoholfahrt als „Super-Gau, der wohl auch Konsequenzen haben muss“. Es gebe aber keinen Grund, hämisch auf Frau Käßmann herabzusehen. Nach ihrer Kritik am Militäreinsatz in Afghanistan hätten viele nur auf einen Vorwand für eine allgemeine Kirchenschelte gewartet. Einiges Verständnis für Käßmann zeigt der Wittenberger Pfarrer Friederich Schorlemmer. Er sagte der Leipziger Volkszeitung, dass ein solcher „Blackout“ leider immer wieder Leuten passiere, die in öffentlichen Ämtern unter Dauerstress stünden. Dennoch bleibe die Alkoholfahrt eine „nicht einfach zu rechtfertigende Verfehlung“. Der Sprecher der EKD, Oberkirchenrat Reinhard Mawick (Hannover), erklärte, ihm sei bislang nichts über etwaige Rücktrittsforderungen bekannt. Käßmann hat vorerst alle Termine abgesagt. Die Leitung der hannoverschen Landeskirche stehe solidarisch hinter der Landesbischöfin, sagte Kirchensprecher Johannes Neukirch (Hannover) gegenüber idea. Eine Entscheidung über ihre Ämter müsse sie selbst treffen.

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