18. Juni 2018

Pfarrer kritisieren Abgeordnete der „Linken“

Quelle: idea.de

Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen

Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen

Bochum (idea) – Heftige Kritik an einer Bundestagsabgeordneten der Partei „Die Linke“ haben drei evangelische Kirchengemeinden in Westfalen geübt. Bei einer Rede des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres am 27. Januar im Bundestag anlässlich des Gedenkens an die Befreiung der Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz vor 65 Jahren soll die Abgeordnete Sevim Dagdelen demonstrativ sitzen geblieben sein, während sich die meisten Parlamentarier erhoben.
 

Neben ihr blieben laut Medienberichten auch die Abgeordneten der Linksfraktion Sahra Wagenknecht, Christine Buchholz und Heike Hänsel sitzen. Die türkischstämmige Politikerin Dagdelen, die den Wahlkreis Bochum vertritt, ist Sprecherin der Linken für Migrations- und Integrationspolitik. Die Pfarrer der St. Petri-Kirche in Dortmund, der Bleckkirche in Gelsenkirchen und der Christuskirche in Bochum kritisieren die Politikerin in einem Offenen Brief scharf: „Zu wem sprechen Sie, wenn Sie sitzen bleiben? Sind auch die Anhänger der Hisbollah darunter, mit denen Sie auf Demos gehen und den ,Tod! Tod Israel!’ verlangen?“ Die Pfarrer werteten das Verhalten als „Unwillen“, mit den Opfern des Holocaust mitzufühlen. „Es widert uns an“, so ihre Ansicht. Dagdelen, die schon in den drei Kirchen zu Gast war, werde dort nicht mehr eingeladen: „Sie sind uns nicht erwünscht.“

Abgeordnete weist Vorwürfe zurück

Dagdelen weist die Vorwürfe zurück. Sie würde niemals den Holocaust-Opfern den Respekt verweigern, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Selbstverständlich habe sie sich erhoben, als der Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus gedachte. Doch habe sie die von Peres vorgetragenen Teile seiner Rede mit Bezug zum Iran nicht im Stehen beklatschen können. Der israelische Präsident habe seinen Beitrag zur „ideologischen Vorbereitung auf einen Krieg gegen den Iran genutzt“. Dagdelen bezeichete es als „infam“, sie des Antisemitismus zu bezichtigen. Sie war 2007 der vom Bundesverfassungsschutz unter „linksextremistischen Bestrebungen“ eingeordneten Organisation „Rote Hilfe“ beigetreten. Diese versteht sich als „eine Solidaritätsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstützt“.

Nazis ermordeten 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz

In Konzentrationslager Auschwitz und dem drei Kilometer entfernten Außenlager Birkenau wurden zwischen 1940 und 1945 etwa 1,1 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet. Die meisten Opfer waren europäische Juden. Am 27. Januar 1945 wurde das Lager von sowjetischen Truppen befreit. Etwa 8.000 Häftlinge waren noch am Leben. Der Bundestag erinnert jedes Jahr mit einer Gedenkstunde an die Befreiung und den Völkermord der Nationalsozialisten. Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag.