19. Januar 2018

Flüchtlingsliebe im Kinderfernsehen: Unions-Politiker fordern Stopp von Doku

Quelle: jungefreiheit.de

Malvina und Diaa im Kinderkanal Foto: Screenshot KiKA

BERLIN. Eine Reportage des Kinderkanals (KiKA) über die Liebesgeschichte zwischen einer minderjährigen Deutschen und einem erwachsenen Syrer sorgt weiter für Kritik. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann warf den Verantwortlichen Blauäugigkeit und mangelnde journalistische Sorgfalt vor.

Der JUNGEN FREIHEIT sagte er: „Die Macher dieser Doku lassen jedwede Sensibilität vermissen, was die Folgefragen bezüglich der Alters-Einschätzung des Flüchtlings angeht. Da werden seine Angaben naiv geglaubt, anstatt mit journalistischer Sorgfalt, wie ich sie gerade von den öffentlich-rechtlichen Medien erwarte, das wahre Alter zu recherchieren. Daß jetzt kurzerhand die Altersangabe verändert wird, zeigt die Blauäugigkeit, mit der die Macher an ein so hochsensibles Thema herangehen.“

Hintergrund ist eine Folge aus der Dokumentarreihe „Schau in meine Welt!“ von Ende November, die seit dem vergangenen Wochenende vor allem in sozialen Medien heftig diskutiert wird. In der Sendung, die auf der KiKA-Website noch abrufbar ist, erzählen die 16 Jahre alte Malvina und der angeblich 17 Jahre alte Syrer Diaa von ihrem Liebesglück und den kulturellen Verschiedenheiten.

„Zerrbild einer angeblichen Integration“

Nach Protesten änderte KiKA am Montag nachmittag die Altersangabe des Syrers in der Beschreibung sowie in den Bildunterschriften von 17 auf 19 Jahre. „Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt. Als er und Malvina sich kennen lernten, war er 17 Jahre alt. Daß dieses Alter dann in Bildunterschriften auftauchte, ist irreführend, wir haben das mittlerweile korrigiert“, entschuldigte sich der Sender.

Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt, den der CSU-Rechtsexperte Hoffmann an der Doku-Folge sieht: Sie zeichne ein „Zerrbild einer angeblichen Integration“. Ihm fehle die eindeutige Klarstellung, daß sich kein Mädchen und keine Frau den Wünschen ihres Freundes unterordnen müßten.

Was Hoffmann meint, zeigt sich beispielhaft an einer Stelle der Dokumentation. Die 16jährige Malvina äußert sich dort nachdenklich über ihren Freund: „Ich habe das Problem mit ihm, daß ich oft in eine Richtung gelenkt werde, in die ich gar nicht kommen möchte. Ich kann oder ich darf keine kurzen Sachen anziehen, immer nur lange Sachen, das heißt, Kleider dürfen nur bis zum Knie gehen und das war’s und nicht kürzer.“

„Unser westliches Frauenbild ist der Maßstab!“

Diaas Antwort: „Ich kann so was nicht akzeptieren, daß meine Frau so aussieht.“ Auch andere Jungen umarmen ginge „gar nicht“. Malvina beugt sich dieser Ansage und verzichtet fortan darauf, kurze Kleidung zu tragen. Ebenso ißt sie kein Schweinefleisch mehr. Die Liebe sei ihr wichtiger, betont sie.

Diese Darstellung will der CSU-Abgeordnete so nicht akzeptieren. „Sie darf umarmen, wen sie möchte, sie darf anziehen, was sie möchte, sie darf denken und sagen, was sie möchte. Und gerade der KiKa sollte seinen jungen Zuschauern mit auf den Weg geben, daß bei uns Gleichberechtigung herrscht“, betonte Hoffmann. „Unser westliches Frauenbild ist der Maßstab, und darauf sollten wir auch bestehen!“

Bei den Machern der Doku hätten spätestens dann die Alarmglocken schrillen müssen, als die 16jährige zugab, ein „mulmiges Gefühl“ zu haben und sich fragte, ob das lediglich „gerade der Anfang“ sei. So aber liefere der KiKa den Kritikern der öffentlich-rechtlichen Medien leider „leichtfertig Munition“, sagte der CSU-Politiker.

CDU-Abgeordneter Krauß: Film nicht mehr ausstrahlen

Kritik kam auch vom CDU-Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß: „Der Film sollte nicht mehr ausgestrahlt und gezeigt werden. Er ist pädagogisch nicht geeignet, vor allem nicht für den Kinderkanal“, forderte er gegenüber der JF. Eine solche Liebesgeschichte zwischen einer Minderjährigen und einem Erwachsenen eigne sich nicht, die Probleme, die durch kulturelle Unterschiede entstehen könnten, kindgerecht zu vermitteln.

Der KiKA hingegen verteidigte auf Nachfrage der JF die Dokumentation. Daß der Film bei vielen Zuschauern gerade mit Blick auf den Mordfall im rheinland-pfälzischen Kandel, wo ein afghanischer Flüchtling seine 15 Jahre alte deutsche Ex-Freundin ermordet hatte, für Unverständnis sorgt, könne der Sender nicht verstehen. „Nein. Die Doku wurde VOR dem Vorfall in Kandel produziert und im November 2017 gesendet. Nach Ausstrahlung gab es keine einzige Reaktion“, teilte eine KiKA-Sprecherin am Dienstag mit.

Auch das Alter von Malvina und Diaa sei für die Autoren und Redakteure des Hessischen Rundfunks (hr), die die Folge gedreht hätten, nicht ausschlaggebend gewesen. „Das ist Privatsache der beiden jungen Leute. Sie haben sich ohne unser Zutun kennengelernt, der hr hat ihre Geschichte erzählt.“ (krk/ls)