25. Februar 2018

Jüdische Gemeinde warnt Mitglieder vor Kippa in der Öffentlichkeit

Quelle: jungefreiheit.de

Screenshot: jg-bochum.de

BOCHUM/MÜLHEIM/DUISBURG. Die Jüdische Gemeinde Bochum hat ihre Mitglieder davor gewarnt, in der Öffentlichkeit die Kippa oder andere jüdische Symbole zu tragen. Grund seien antisemitische Angriffe in der Vergangenheit, besonders von Einwanderern aus der Türkei oder arabischen Ländern, berichtet die Jüdische Allgemeine. Laut der Zeitung gehört es auch für viele Juden in anderen deutschen Städten zum Alltag, ihr Jüdischsein aus Furcht vor Angriffen in der Öffentlichkeit zu verbergen.

Zuvor hatte bereits die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen wegen Sicherheitsbedenken ihre jährliche Chanukka-Feier auf dem Mülheimer Synagogenplatz abgesagt. „Wir fühlen in erster Linie Trauer, denn Chanukka ist doch ein Fest der Freude“, zitiert die Bild-Zeitung den Geschäftsführer der Gemeinde, Alexander Drehmann.

Jude ist Schimpfwort

Man habe sämtliche Veranstaltungen unter freiem Himmel gestrichen. „In Duisburg gehen wir, statt vor dem Stadttheater zu sein, in unser Gemeindehaus mit gesicherten Einlaßkontrollen.“ Es habe Warnungen gegeben. „Es ist ein mulmiges Gefühl, sicherlich einer der Tiefpunkt unserer Nachkriegsgeschichte.“

Ins gleiche Horn stieß der Oberbürgermeister der Stadt, Ulrich Holten (SPD): „Daß ich es nach der Zeit zwischen 1933 und 1945 erleben muß, daß eine öffentliche jüdische Versammlung aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden kann, ist unglaublich.“

Der Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein sieht eine neue Dimension des Judenhasses. „Ich habe früher schon offene Haß-Mails bekommen, genau wie heute immer noch. Der Unterschied ist jedoch: Machte man sich früher noch die Mühe, anonym zu bleiben, schreiben die Leute inzwischen ungehemmt mit Klarnamen. Offenbar fühlen sie sich als Sprecher einer Mehrheit, das gibt doch sehr zu bedenken.“ Auf dem Schulhof sei das Wort Jude wieder ein Schimpfwort geworden. (tb)