21. November 2017

Schreiend und beißend ins Rückzugsgefecht

Quelle: jungefreiheit.de

Lukas Steinwandter, Redakteut der JUNGEN FREIHEIT, Foto: lukassteinwandter.com

Der Linken schwimmen die Felle davon. Und weil sie das langsam, aber sicher zur Kenntnis nimmt, wird sie immer lauter und aggressiver. Da wird der Auftritt kleinerer Verlage, die es wagen, aus dem streng bewachten und begrenzten Meinungsspektrum auszubrechen, zu einer „Raumergreifung der Neuen Rechten“, die mit Tumulten niedergeschlagen werden soll.

Da kündigen militant linke Studentengruppen „Aktionen“ an, weil ein ehemaliger CIA-Chef und Ex-US-General an einer Zürcher Hochschule über Sicherheits- und Außenpolitik referieren soll, wird er deswegen kurzerhand ausgeladen. Da werden Häuser von Politikern attackiert, die gegen die Verharmlosung des Linksextremismus vorgehen.

Das Repertoire der Linken ist ausgeschöpft, sie sind mit ihrem Latein am Ende. Wer beinahe 50 Jahre lang unangefochten tief im Sessel der Deutungshoheit sitzt, wird mit der Zeit schlaff, bekommt einen geistigen Bauchansatz und der Blutdruck steigt. Nun schlagen die moralinsauren Gesinnungswächter in ihrem Rückzugsgefecht wie wild um sich.

Schwarzer Block und Antifa

Das liest sich dann so: „Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, das Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat. Es wird nichts mehr von alleine gut. Die Regierung wird uns nicht retten. Allein eine Neudefinition des Begriffs linker Aktivismus kann den Schwachsinn des Hasses und der Menschenverachtung stoppen.“

Oder so: „Sarrazin hat auf 464 Seiten Verantwortliche für die Abschaffung Deutschlands gesucht, aber die größte Problemkindergruppe vergessen: die Deutschen selbst. Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.“ Bei den Ausschnitten handelt es sich um zwei aktuelle Stücke aus dem linken Medientheater mit Sibylle Berg (Spiegel Online) und Hengameh Yaghoobifarah (taz) in den Hauptrollen.

In welchem Dilemma die Linken derzeit stecken, läßt sich auch auf der Straße beobachten. Am Sonntag folgten rund 10.000 Personen dem Aufruf eines Lehramtsstudenten, ein Zeichen gegen Haß und Rassismus und für Frieden und Demokratie zu setzen.

Realistische Politik ist konservativ

Noch während der Veranstaltung verließen Teilnehmer den Demonstrationszug. Parolen wie „Kein Raum der AfD – rechte Hetzer in die Spree“ haben mit Liebe und Frieden dann doch eher wenig zu tun. Eine Frau meinte anschließend: „Mich haben die Sprechchöre ‘Ganz Berlin haßt die AfD‘ irritiert und ich habe auch ein paar neben mir angesprochen, daß doch das Motto genau das Gegenteil sei: gegen Haß.“

Fest steht: Es gab den Brexit. Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Fast 60 Prozent der österreichischen Wähler wünschen sich eine konservative Politik. In Tschechien siegte ein EU-Kritiker. Und auch die AfD wird im Bundestag bleiben.

„Die Realpolitik ist zurück, und realistische Politik ist immer konservativ, was nicht gleichbedeutend ist mit der Konservierung des Abgelebten, sondern die Bewahrung des Bewährten meint“, stellt der Schweizer Journalist und Politiker Roger Köppel fest. Wer stur schreiend und beißend gegen die Realität ankämpft, beweist am Ende nur, daß er nicht mit ihr zurechtkommt. Ändern können wird er sie jedoch nicht.