18. August 2017

Kirgisistan: „Wir werden euch töten!“

Quelle: Open Doors

Land unter Beobachtung: Kirgisistan, Foto: Open Doors

(Open Doors, Kelkheim) – Eine Kirche in der Stadt Tokmak im Norden von Kirgisistan wurde in der vergangenen Woche zum Ziel eines Angriffs. Die Täter hinterließen eine schriftliche Morddrohung gegen die Gemeindemitglieder an der Wand, doch eine strafrechtliche Verfolgung des Übergriffs ist nicht zu erwarten. Obwohl Kirgisistan nominell eine parlamentarische Demokratie ist, erleben Christen Unterdrückung vonseiten der Regierung und der Gesellschaft.

Polizei verweigert Ermittlungen

Wie Kontaktpersonen World Watch Monitor berichteten, brachen vermutlich extremistische Muslime nachts in das Kirchengebäude ein, beschädigten die Einrichtung und besprühten die Wände mit den Botschaften „Wir werden euch töten“ und „Lehrt nicht unsere Kinder“. Quer über ein Fenster schrieben sie das Wort „Allah“. Der Pastor der Gemeinde meldete den Vorfall sofort bei der örtlichen Polizeistation. Doch dort sagte ihm ein Beamter nur, es sei aussichtslos, nach den Tätern zu suchen, da ein derartiges Verbrechen unmöglich aufgeklärt werden könne. Es ist anzunehmen, dass die Behörden sich nicht um den Fall kümmern, weil sie den Christen nicht helfen wollen.

Bild: „Wir werden euch töten!“ Foto: Open Doors

Angst und Unsicherheit

Trotz der Drohungen setzt die Gemeinde ihre Gottesdienste und evangelistischen Aktivitäten fort. Christen mit muslimischem Hintergrund, welche die Kirche regelmäßig besuchen, erhielten ähnliche Warnungen. Die Situation ist sehr angespannt. Der Pastor möchte ein Seminar organisieren, das den Gemeindemitgliedern mehr Sicherheit geben soll, indem ihnen Vorsichtsmaßnahmen vermittelt und sie gleichzeitig auf Verfolgungssituationen vorbereitet werden. Zudem sollen die Schäden am Gebäude so schnell wie möglich beseitigt werden, damit die Gemeinde nicht ständig an den Vorfall erinnert wird.

Staatliche Überwachung

Aufgrund der starken Zunahme der Verfolgung in anderen Ländern ist Kirgisistan seit dem Jahr 2015 nicht mehr auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors unter den 50 Ländern aufgeführt, in denen Christen am härtesten verfolgt werden. Dennoch ist die Religionsfreiheit in Kirgisistan spürbar eingeschränkt. Zwar geht es der christlichen Minderheit, die etwa fünf Prozent der Bevölkerung umfasst, hier im Vergleich zu anderen zentralasiatischen Staaten relativ gut. Doch die Regierung überwacht Kirchen streng. Um überhaupt eine Registrierung zu erhalten, muss eine Gemeinde mindestens 200 Mitglieder vorweisen können; außerhalb staatlich kontrollierter Institutionen sind jegliche religiösen Aktivitäten verboten. Besonders Christen muslimischer Herkunft werden von der Gesellschaft und lokalen Behörden unter Druck gesetzt.

Quelle: World Watch Monitor, Open Doors