20. Oktober 2017

Nach Kritik an Moslems: Radiosender lädt Richard Dawkins aus

Quelle: jungefreiheit.de

Richard Dawkins, Foto: richarddawkins.net

BERKELEY. Ein Radiosender in Kalifornien hat den Biologen und Religionskritiker Richard Dawkins wegen angeblich verletzender Kommentare über Moslems ausgeladen. Dawkins sollte im Interview mit der Station KPFA in Berkeley zu seinem neuen Buch „Brief Candle in the Dark“ sprechen, in dem er über sein Leben in der Wissenschaft reflektiert.

„Wir haben ihn nur wegen seines exzellenten neuen Buches eingeladen. Wir wußten damals nicht, daß er mit seinen Tweets und anderen Kommentaren über den Islam so viele Menschen verletzt hat“, heißt es in einem Statement des Senders. In einem offenen Brief zeigte sich Dawkins empört über seine Ausladung.

Dawkins kritisiert doppelte Standards

„Ich habe die lächerlichen pseudowissenschaftlichen Behauptungen von islamischen Gelehrten kritisiert und den Widerstand gegen die Evolutionslehre und andere wissenschaftliche Wahrheiten“, so Dawkins, der in der Politik des Senders einen doppelten Standard sieht: „Ich bin als Kritiker des Christentums bekannt und bin dafür noch nie ausgeladen worden.“

An die Senderverantwortlichen gewandt schrieb Dawkins: „Warum gebt Ihr dem Islam einen Freibrief? Warum ist es in Ordnung für Euch, das Christentum zu kritisieren, aber nicht den Islam?“ In der Vergangenheit hatte Dawkins seine Anhänger dazu aufgerufen, Christen öffentlich lächerlich zu machen und nannte sie wegen ihrer angeblichen antiwissenschaftlichen Glaubensgrundsätze „dumm und ignorant“. In seinem Buch „Der Gotteswahn“ rechnete Dawkins mit gläubigen Christen ab. Die Bibel sei für sie nur eine nachgeschobene Begründung für zuvor gefällte moralische Urteile.

Zuletzt hatte Dawkins seine Haltung gegenüber dem Christentum aber gemäßigt und wiederholt erklärt, im Islam die größere Bedrohung für die Gesellschaft zu sehen. „Es gibt soweit ich weiß keine Christen, die Gebäude in die Luft jagen, keine christlichen Selbstmordattentäter und mir ist auch keine christliche Glaubensgemeinschaft bekannt, die die Todesstrafe für Apostasie fordert“, sagte er im vergangenen Jahr. Sein Fazit damals: „Ich habe gemischte Gefühle über den Niedergang des Christentums dahingehend, als das Christentum ein Bollwerk gegen etwas noch schlimmeres sein könnte.“ (tb)