20. September 2017

„Demo für Alle“: Hessische Verhältnisse

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Demo für Alle

Foto: Demo für Alle

Am vergangenen Sonntag fand die erste „Demo für Alle“ in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden statt. Knapp 2.000 Bürger folgten dem Aufruf von Hedwig von Beverfoerde, die auch schon die gleichnamigen Demonstrationen in Baden-Württemberg organisierte. Tatsächlich erinnert schon jetzt vieles an den Bildungsstreit im Ländle: Demonstrierende Eltern, provozierende Linke und manipulierende Medien, die händeringend nach etwaigen “Nazis” unter den Demo-Teilnehmern suchen, mit der Kooperation zwischen Lehrplanbefürwortern und Linksextremen jedoch offenbar kein Problem haben.

Doch eines ist gänzlich anders in Hessen: Hier ist es nicht eine grün-rote Landesregierung, die der Ideologie des Gender-Mainstreaming zu „schulischem Erfolg“ verhelfen will, sondern eine schwarz-grüne Koalition, in der sich die CDU sogar das Kultusministerium gesichert hat. Um so größer war die Verwunderung, als Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vor wenigen Wochen einen Lehrplan vorstellte, der seinen Pendants in rot-grün-geführten Bundesländern in nichts nach steht.

Von „kindlichem Sexualverlalten“ ist da die Rede, als “verbindliches Thema” ab dem ersten Schuljahr. Das sei „Gender pur“ und „mindestens so kraß wie das, was wir in Baden-Württemberg gesehen haben“, so Hedwig von Beverfoerde gegenüber JF-TV.

„Wie kann man sechsjährigen Kindern so etwas beibringen?“

„Ich bin CDU-Wählerin, jahrelang, aber jetzt werde ich sie nicht mehr wählen“, sagt Demo-Teilnehmerin Miriam Weber. Kein Wunder, denn im letzten Wahlkampf war seitens der CDU von solchen Plänen nicht die Rede. Das war 2013. Eine schwarz-grüne Koalition sei damals „nicht absehbar“ gewesen, sagte Teilnehmer Frank Kunder. Nun zeige sich aber, wo „ein Knackpunkt“ in diesem Bündnis liege, und „dagegen gilt es zu demonstrieren“.

Nicht nur deutsche Konservative und Christen sind an diesem Sonntag auf der Straße, sondern auch einige Muslime. „Wir sind hier, weil wir dieses Kulturprogramm nicht unterstützen“, erläutert die türkischstämmige Demo-Teilnehmerin Benfica Ilderim, und fügt hinzu: „Wie kann man sechsjährigen Kindern so etwas beibringen?“

“Verrückter könnte es gar nicht mehr sein”

Tatsächlich erscheint die „Demo für Alle“ in Hessen – wie schon in Baden-Württemberg– in ihrer Zusammensetzung deutlich vielfältiger als das „Bündnis für Vielfalt“, das zum Gegenprotest gerufen hatte. Dahinter stehen zwar gut 100 Organisationen, vornehmlich aus dem linken Spektrum und der Lesben- und Schwulen-Gemeinde. Doch auf der Straße stellt sich eher eine Monokultur ein: Überwiegend Jugendliche und Studenten, auch ein paar Alt-68er sind dabei. (JF)