28. Mai 2017

Schluß mit dem Sachsen-Bashing!

Quelle: jungefreiheit.de

Polizeibeamte in Sachsen, Foto: polizei2020.sachsen.de

Polizeibeamte in Sachsen, Foto: polizei2020.sachsen.de

von Felix Krautkrämer

Sachsen, Sachsen, immer wieder Sachsen. Groß ist die Empörung, weil der syrische Terrorverdächtige Dschaber Al-Bakr sich in der JVA-Leipzig in seiner Zelle erhängt haben soll. Von Sachsen als Gescheitertem Staat („failed state“) ist die Rede, von „strukturellem Versagen“ bei Polizei und Justiz. Von der Regierungspartei CDU, die die Probleme verharmlose und ignoriere. Ganz vorne in der Riege der Ankläger wie so oft: Grüne, Linke und ein ihnen zugeneigtes Heer an Journalisten.

Sachsen-Bashing erfreut sich seit längerem schon großer Beliebtheit. Sachsen als Hort des Rechtsextremismus, Pegida-Land, Dunkeldeutschland, Kaltland. Sachsen, der Freistaat, in dem Bürgerwehren Jagd auf friedliche Flüchtlinge machen und in ihrem Treiben noch von der Polizei gedeckt werden. Sachsen, Hochburg des ausländerfeindlichen Pöbels und der Volksverräter-Rufer.

Doch die Empörung über die angeblichen Mißstände im Freistaat ist so geheuchelt wie durchschaubar. Gerade diejenigen, die nach jedem islamistischen Anschlag oder Attentatsversuch zur Differenz mahnen und betonen, das habe nichts mit dem Islam zu tun, sondern sei ein bedauerlicher Einzelfall, stellen ein Bundesland mit mehr als vier Millionen Einwohnern bereits unter Generalverdacht, wenn im Erzgebirge eine Flasche Bier umfällt.

Staatsversagen?

Während man in Berlin und Brandenburg nicht einmal in der Lage ist, einen Flughafen zu bauen, wird Sachsen „Staatsversagen“ unterstellt. In Rheinland-Pfalz reiht sich der Flughafen-Hahn-Skandal an die Nürburgring-Affäre, aber für Sachsen fordert man Untersuchungsausschüsse.

In Nordrhein-Westfalen weigert sich der Innenminister, die Konsequenzen aus der versuchten Vertuschung der Silvester-Übergriffe und dem Versagen der politischen Polizeiführung zu ziehen, aber in Sachsen sollen wahlweise Innen- oder Justizminister zurücktreten, weil sich die Polizei im Freistatt ihre Einsatztaktik und Lagebeurteilung nicht von der Presse diktieren läßt.

In Berlin und Bremen beherrschen arabische und libanesische Großclans die Unterwelt, aber in Sachsen ist der Rechtsstaat gefährdet, weil ein paar Bürger einen randalierenden Asylsuchenden aus dem Supermarkt schmeißen und diesen festhalten, bis die Polizei kommt.

Skepsis über Fremden

Während sich Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) von Skandal zu Skandal hangelt, dabei kein Fettnäpfchen ausläßt und mit einer Stiftung paktiert, die keinerlei Berührungsängste mit der linksextremen Szene kennt, wird Sachsen ein Rechtsextremismusproblem unterstellt, nur weil Patriotismus dort nicht als auszurottende Geißel der Menschheit angesehen wird.

Es mag sein, daß der Zeitgeist in Sachsen noch nicht im medial gewünschten Gleichschritt marschiert und Multikulti und linker Gleichheitswahn nicht als Krönung der Menschheitsentwicklung angesehen werden. Möglicherweise beäugt man dort auch Einwanderer aus fremden Kulturen ein bißchen skeptischer als in westlichen Großstadtbezirken, wo diese samt Nachfahren bereits die Mehrheit stellen.

Und vielleicht hegen die Sachsen auch gegenüber den als Nachrichten getarnten Kommentaren und zurechtgerückten Wahrheiten der Qualitäts- und Staatsmedien ein etwas größeres Mißtrauen als in Hamburg, Frankfurt oder Berlin. Jedoch: Verglichen mit großen Teilen dieser Republik sind sie in den vergangenen 26 Jahren mit dieser Haltung recht gut gefahren.