25. Mai 2018

Der alte Mann und die Allianz – Eine kritische Chronologie

Rolf Müller. Foto: privat

Rolf Müller. Foto: privat

Der nachfolgende Kommentar von Rolf Müller soll dazu anregen, über die Entwicklung der Deutschen Evangelischen Allianz nachzudenken.

von Rolf Müller

Der alte Mann hat früher bewusst und aktiv in der örtlichen Allianz seines Heimatortes mitgearbeitet. Er hat die Allianzveranstaltungen besucht, hat Andachten bei der Allianzgebetswoche gehalten und die Gebetsleitung übernommen. Er ist auch heute noch mit vielen Geschwistern aus der örtlichen Allianz im Glauben verbunden. So, wie sich der Kurs der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) im Lauf der Zeit verändert hat, hat sich auch das Verhältnis des alten Mannes zur Allianz abgekühlt. Das lag, wie gesagt, nicht an den Geschwistern vor Ort, sondern an der Leitung der DEA, die sich im Lauf der Zeit von einer klaren biblischen Linie entfernt hat.

Ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte

Der alte Mann möchte einige Punkte anführen und belegen, wie die schleichende Abkehr vom Ursprung immer größer wurde. In Römer 13, 11 schreibt Paulus: „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden.“ Der alte Mann gehörte lange Zeit zu den Schlafenden, bis ihm beim Lesen des Wortes Gottes die Augen aufgingen. Er sah die Allianz bisher nicht als etwas Negatives, sondern er fand, dass man die Gemeinsamkeit und Harmonie unter den Gläubigen als höchstes Gut bewahren müsse. Bei unterschiedlichen Meinungen dachte der alte Mann an das Wort aus 1. Thessalonicher 5,21: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ Das versuchte er zu praktizieren. Dann ging ihm unter Gottes Wort auf, dass es in dem Zusammenhang nicht um Irrlehren gehen kann. Von ihnen sollen wir uns fernhalten, wir sollen sie meiden. Ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte. Irreführende Lehre ist nicht neutral. Sie ist wie Sauerteig. Wenn man sich nicht von ihr trennt, durchsäuert sie alles. Man kann nicht aus Irrlehren scheinbar „Gutes“ herausziehen. Der alte Mann hat gemerkt, dass eine Mischung aus Richtig und Falsch gefährlich ist. Man verliert ganz schnell den Boden unter den Füßen. Der Glaube nimmt Schaden. Man wird getäuscht.

Unbiblische Elemente nicht unbedenklich übernehmen

Wir müssen uns an die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus halten. Das heißt, dass wir uns von allem abwenden, was ungesund für unser Glaubens-leben ist. Der alte Mann hat erkannt, dass er unbiblische Elemente nicht unbedenklich übernehmen und in der Praxis anwenden kann. Er erschrickt, wenn er sieht, wie weit die Allianz von ihrem ursprünglichen Weg abgewichen ist. Heute nimmt die DEA eine mehrdeutige Haltung ein. Die fortgeschrittene Durchdringung mit bibelkritischem Gedankengut sieht man nicht oder will man nicht sehen. Stattdessen wird Einheit um jeden Preis gefordert. Alle ohne Ausnahme sind Brüder. Die Allianz hat die geistliche Salzkraft verloren. Widerstand gegen antichristliche Kräfte ist nicht vorhanden. Die Bibel wird umgedeutet. Kaum jemand merkt es, wie das geistliche Fundament weggespült wird. Wer darauf aufmerksam macht, wird als Unruhestifter und Querulant bezeichnet. Die führenden Leute der DEA haben zwei Gesichter. Sie passen sich wie ein Chamäleon der Umgebung an. Man fragt nicht: „Was sagt die Bibel?“ Man handelt jeweils nach persönlicher Betroffenheit. Probleme werden verdrängt. Die Sünde wird verharmlost und salonfähig gemacht. Die DEA will ökumenefähig sein. Absolute Wahrheit gibt es nicht. Alles wird stehen gelassen. Damit verabschiedet sich die Allianz von ihrer Glaubensbasis. Der alte Mann will versuchen, den Weg der DEA in den letzten Jahren chronologisch zu dokumentieren.

1997

Dr. Rolf Hille möchte die DEA als Einheitsbewegung im Protestantismus zusammenführen. Die gesamte evangelikale Bewegung in Deutschland soll als „Gemeinde Jesu“ gesammelt werden. Eine Vermischung mit den nichtchristlichen Religionen lehnt er ab. Bei ProChrist arbeiten unterschiedlichste Gemeinden ungeachtet ihrer sonstigen Unterschiede zusammen. Landeskirchler, Evangelikale, Charismatiker, Pfingstler und Katholiken ziehen am gemeinsamen Strang.

1998

Beim Gemeindefestival „Spring“ wurde Einheit praktiziert. Die Leitung der Veranstaltung war zu gleichen Teilen mit Charismatikern, Landeskirchlern und Freikirchlern besetzt. Ulrich Eggers fordert Charismatiker und Pfingstler auf, sich mehr in evangelikalen Gemeinden einzubringen. Ingolf Ellßel empfiehlt, viel in Zungen zu reden. Das alles rangiert unter dem Oberbegriff „Frömmigkeitsstil“. Hartmut Steeb sagte, ihm sei schon immer klar gewesen, dass es mehr gemeinsame Punkte zwischen der DEA und den Pfingstgemeinden gibt als trennende. Dr. Rolf Hille meinte, es gebe eine weitgehende Übereinstimmung im Bereich der Lehrmeinungen. Die „Berliner Erklärung“ hält er zwar für ein wichtiges historisches Dokument, aber die Szene habe sich inzwischen deutlich verändert. ProChrist veröffentlicht ein „Leitbild“, aus dem hervorgeht, dass eine Vernetzung der christlichen Kirchen, Gemeinden und Gruppen verschiedener Prägung angestrebt wird. Die Teilnahme katholischer Christen werde ausdrücklich begrüßt. Neu bei ProChrist ist ein verstärktes soziales und politisches Engagement. „Wir engagieren uns als Christen für Gerechtigkeit und Versöhnung innerhalb unserer Gesellschaft.“

1999

Die Bekenntnisbewegung wirft der DEA einen gezielten Kurswechsel vor. Man suche bewusst die Kooperation mit Pfingstkirchlern und Katholiken. In beiden Glaubensrichtungen seien massive Irrlehren festzustellen und es werde ein anderes Evangelium gepredigt. DEA-Generalsekretär Hartmut Steeb betonte, die Zeit des Schubladendenkens sei vorbei. Die DEA sei bereit, mit allen, die an Jesus Christus glauben, zusammenzuarbeiten. Das Gebetsheft für die Allianzgebetswoche tritt für viele politische und gesellschaftliche Ziele zu beten ein. Das liegt ganz im Sinn des europäischen Einheitsprozesses. Da will die DEA wohl nicht abseits stehen. Lässt sie sich vor einen politischen Karren spannen?

2000

Katholiken, Evangelische, Freikirchler und Charismatiker haben gemeinsam den „Jesustag 2000“ geplant. Man erwartet in Berlin Zehntausende Christen, die betend durch die Stadt ziehen und „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ demonstrieren. Peter Strauch spricht im evangelikalen Lager von einer Zerreißprobe. Der Umgangston ist gereizter geworden. Streitpunkte sind Charismatik, Zusammenarbeit mit Katholiken sowie eine laxe Auslegung der Bibel. Peter Strauch wird zum neuen Vorsitzenden der DEA gewählt. Er löst Dr. Rolf Hille ab, der sich einer Wiederwahl nicht mehr stellt.

2001

Es wird an einer gemeinsamen Erklärung zwischen Allianz und Katholiken gearbeitet. Nach römisch-katholischem Verständnis hat Katholizität mit Einheit und Totalität zu tun. Vielfalt soll in Einheit gebracht werden.

2002

Peter Strauch: Das Modell der DEA lässt eine große konfessionelle Weite zu. Schon bei ihrer Gründung hat sich die Allianz nicht gegen katholische Christen ausgesprochen. Auf einem Treffen in Bad Blankenburg zum Thema: „Berufen zur Einheit“ waren rund 100 Leiter pietistischer, charismatischer und katholischer Werke anwesend. Mit dabei war die gesamte Führungsmannschaft der DEA. Die „butterweiche“ Haltung gegenüber der katholischen Kirche und die „blauäugige“ Betrachtungsweise der Charismatik lässt die Schar derer, die mit der Allianz nichts mehr zu tun haben wollen, stetig wachsen. Christoph Morgner spricht sich dafür aus, mit der katholischen Kirche enger zusammen zu arbeiten. „Wir müssen die evangelischen und katholischen Pfunde zusammenlegen. Was uns inhaltlich verbindet ist größer, als was uns trennt. Es ist besser, in dieser Kirche beheimatet zu sein und katholisch zu glauben, als überhaupt kein Verhältnis zu Jesus Christus zu haben. In Christus gehören wir zusammen.“

2003

Allianzkreise gehen auf Distanz zum bibeltreuen Lager. Dr. Rolf Hille hat sich gegen einen „fundamentalistischen Biblizismus“ innerhalb der evangelischen Allianz gewandt. Die Glaubensbasis der DEA bejaht zwar „die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift“, unterwirft aber nur den Teilbereich des „Glaubens und der Lebensführung“ der Autorität der Bibel. Die Allianz hat bei einer Informationsreise durch Deutschland festgestellt, dass eine „unübersehbare Sehnsucht nach christlicher Einheit“ vorhanden ist. Alle konfessionellen Unterschiede werden positiv bewertet. Rudolf Westerheide: „Die Unterschiede zwischen uns wiedergeborenen Christen dürfen wir nicht als Problem behandeln, sondern als Reichtum. Lasst uns die Unterschiede feiern!“ Helmut Hanisch: „Wichtig ist, „im sowohl als auch“ zu denken und zu leben.“ Dieses Denkmuster gräbt einer biblischen Überprüfung von geistlichen Inhalten das Wasser ab. Evangelikale Christen lehnen eine Einheit nach DEA-Muster ab, weil damit einer antichristlichen Ökumene zugearbeitet wird. Eine Einheit zeichnet sich nicht nur durch Verbundenheit aller Glieder aus, sondern auch durch Abgrenzung dieser Glieder von allem anderen.

2004

In diesem Jahr werden deutsche Evangelikale mit Projekten, die die Einheit fördern sollen, geradezu bombardiert. Im März findet die Großveranstaltung „JesusHouse“ an 500 verschiedenen Orten statt. Im April gibt es die Impulstour 2004. Rudolf Westerheide: „Die Zeit ist reif für ein neues Niveau der Einheit.“ Von einer genauen Beleuchtung von Glaubensinhalten ist nicht die Rede. Beim Europatag in Stuttgart treffen sich Gemeinden und Bewegungen aus dem katholischen, charismatischen und evangelischen Raum, um ein „Miteinander für Europa“ zu demonstrieren. Beim „Jesus-Tag“ 2004 in Berlin wollen charismatische, evangelikale und katholische Christen nach bekannter Jesus-Tag-Manier lautstark feiern und für Deutschland beten. Rudolf Westerheide befürchtet, dass das Einheitsjahr 2004 auch ein Schuss nach hinten werden könnte. Er sagt: „Wovor ich mich allerdings fürchte, ist eine Fülle neuer Bewegungen, von denen jede die umfassende Einheit neu erfindet, so dass wir schließlich mit vielen parallelen Ein- heitsnetzwerken dastehen. Das Ergebnis wäre nicht mehr Einheit, sondern eine Zersplitterung der Gemeinde Jesu.“

2005

Auf dem Milleniumsgipfel 2000 verpflichteten sich die Führer aller 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen u. a. die Zahl der Armen und Hungernden bis 2015 zu halbieren. In dieses UNO-Vorhaben hat sich nun auch die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) eingeklinkt. Diese „Micha-Initiative“ hat einen Hauch von Klassenkampf und linker Befreiungstheologie. „Evangelisation und soziales Engagement gehören zusammen.“ Dabei ist man offen für andere Konfessionen und arbeitet auch mit nichtchristlichen Gruppen zusammen. Man hilft Welteinheitsphantasten ihren Traum vom Paradies auf Erden weiterträumen zu können. Peter Strauch meinte in einem Kommentar zum katholischen Weltjugendtag, dass die theolo-gischen Unterschiede zum Katholizismus nebensächlich seien. Das gibt ihm die Freiheit, mit den sich zu Jesus bekennenden Christen in einer herzlichen Gemeinschaft und geistlichen Einheit zu leben.
Deutschlands Evangelikale wollen sich mehr in die Politik einmischen. Das machten Referenten beim Allianztag in Bad Blankenburg deutlich. Peter Strauch rief auf, sich stärker für die Gesellschaft mitverantwortlich zu fühlen. Christen dürften die Welt nicht sich selbst überlassen. Nach Hartmut Steeb unterstützt der Hauptvorstand die Absicht der Vereinten Nationen, die weltweite Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Wenn Politiker etwas Sinnvolles beschließen, sollten, Christen nicht abseits stehen.

2006

Es gibt Streit im evangelikalen Lager um die „Volxbibel“, eine Übertragung des Wortes Gottes in Gossensprache mit einer geschmacklosen Wortwahl. Ulrich Eggers wirft Kritikern vor, sie seien sture Vertreter einer „bibelgebundenen Rechtgläubig-keit“. „Die Bibel selbst hat keine Erlöserkraft, sondern ist ein Brief des Erlösers.“ Andreas Malessa behauptet, dass die Bibel Fehler und Mängel aufweise. Man solle die ganze Bibel kritisch von hinten her lesen durch eine christologische Brille. Ulrich Eggers trennt in einem Artikel der Zeitschrift „Aufatmen“ Bibeltreue und Jesustreue. Diese Trennung ist widersinnig. Jesus selbst war buchstabengläubig in höchster Potenz. Deshalb sollten seine Nachfolger es auch sein. Jesustreue und Bibeltreue sind zwei Seiten derselben Medaille. „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten.“ Johannes 14,23.

2007

Jürgen Werth formuliert: „Jeder sollte das, was Brüder und Schwestern tun, zunächst einmal stehen lassen. Er sollte hinhören, hinschauen, nachfragen und nicht öffentlich verächtlich machen, was der eigenen Prägung fremd ist. Evangelische Allianz bedeutet, ich habe Sehnsucht nach Ergänzung. Ich kann und will von anderen lernen.“ Im Allianzmagazin EiNS wird der Amerikaner Richard Foster positiv dargestellt. Er wirbt in einem Artikel für das „immerwährende Gebet“. Diese Technik kommt aus der Praxis des Atemgebets. Kurze Texte werden immer wieder laut oder still gebetet, bis es ganz tief in den Körper eingedrungen ist. Auf der letzten Stufe kann man dann in der Gegenwart Gottes stehen.
In einer Sendung des Hessischen Fernsehens sagte Jürgen Werth: „Ich würde für mich nicht sagen, ich bin ein Fundamentalist und ich glaube, ich kann das auch nicht für die Allianz sagen. Fundamentalisten sind gesprächsunfähig. Sie sagen, es gibt nur Schwarz und Weiß und Ja und Nein und nichts dazwischen. Allianz ist eine sehr bunte und sehr breite Bewegung, Ich glaube, dass ich für unsere Bewegung sagen kann, dass die Zahl derjenigen, die die Bibel wörtlich nehmen, nicht allzu groß ist.“

2008

Es häufen sich Meldungen, in denen behauptet wird, das Verhältnis zwischen EKD und DEA habe sich entspannt. Als ein Zeichen der zunehmenden Sympathie der EKD für die DEA sieht Jürgen Werth seine Berufung in Vorbereitungsgruppen zu EKD-Synoden an. Wenn führende Allianzler wie Jürgen Werth so tun, als sei mit Akzeptanz und Sympathie schon etwas gewonnen oder als seien die früheren Abgrenzungen der Allianz gegenüber der Volkskirche nur in unnötigen „Berührungsängsten“ begründet gewesen, so ist das Halbwissen oder gezielte Täuschung. Alle früheren Abgrenzungen der Allianz waren biblisch begründet.

2009

Dr. Michael Diener wird neuer Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Er tritt die Nachfolge von Dr. Christoph Morgner an. Nachdem bekannt wurde, dass Diener Mitglied bei Rotary ist, äußerte er sich so: „Weil ich Menschen, die sich mit der Gemeinschaftsbewegung identifizieren, so wenig Anstoß wie möglich geben möchte, werde ich meine Mitgliedschaft bei Rotary beenden.“ Rotary und Freimaurertum sind eng miteinander verbunden.

2010

2010 soll das „Jahr der Stille“ werden. Ein Sonderheft von „Aufatmen“ stimmt auf das Thema ein. Es geht aber nicht um die klassische stille Zeit vor Gott. Es werden Techniken empfohlen, die in ihrer Spiritualität an das Gottesbild des Buddhismus und Hinduismus erinnern. Gott kann angeblich als kosmische Kraft durch Meditation und Atemübungen „aufgesogen“ werden. Durch das „Jahr der Stille“ sollen evangelikale Christen in eine ganz bestimmte Richtung gedrängt werden.

2011

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider: „Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, allein die Wahrheit zu besitzen. Gott ist größer als unsere Wahrheitserkenntnis.“
Erstmalig wurde ein Dokument gemeinsam vom Vatikan, dem ökumenischen Rat der Kirchen und der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) verabschiedet. Besonderer Akzent wird auf den interreligiösen Dialog gelegt. Man will von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegenseitiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Gemeinwohl zu fördern. Die DEA hat einen neuen Vorsitzenden, Dr. Michael Diener. Zu seiner Wahl meinte Diener: „Wenn Einheit und Gebet die Grundanliegen der Allianz sind, dann kann sie keine ‚evangelikale Kampftruppe‘ sein. Ich stehe für eine Allianz, die so evangelisch wie möglich und so evangelikal wie nötig ist.“
Dr. Michael Diener: „Evangelikale sind teilweise gesetzlich, heuchlerisch, rechthaberisch, kleinkariert. Sie treten exklusiv auf und tragen dadurch zur Zersplitterung bei.“

2012

Dr. Michael Diener auf der 117. Allianzkonferenz in Bad Blanken-burg: „Die DEA ist keine ‚evangelikale Kampfgruppe‘ gegen den Verfall in Kirche und Gesellschaft. Wenn es um die Einheit des Leibes Christi geht, sollten wir uns klarmachen, dass wir evangelische und nicht evangelikale Allianz heißen.“

2014

Dr. Michael Diener verteidigt die Besonderheiten charismatischer Gottesdienste. Diese dürften nicht wegen ihrer Andersartigkeit verurteilt und in ein schlechtes Licht gestellt werden. Dr. Michael Diener: „Ich bin so etwas von dankbar für Halloween!! Wer hat sich eigentlich vor 10-15 Jahren für den Reformationstag interessiert? Und nun kommt so ein gruselheidnischer Kinderbrauch, und alle entdecken ihre Liebe zum Reformationstag. Klasse – endlich!!“ Dr. Michael Diener im Präsesbericht zur Homosexualität: „Ich werbe dafür, dass wir in dieser schwierigen, uns alle belastenden Frage unterschiedliche Standpunkte endlich zulassen. (…) Wir haben ernst zu nehmen, dass auch andere Positionen für sich in Anspruch nehmen, aus einem ehrlichen und gehorsamen Studium und Verständnis der Heiligen Schrift als Ganzer zu erwachsen. Wer seine eigene Auslegung verabsolutiert, ist nicht mehr gesprächsfähig.“ Diese Aussage Dieners spiegelt postmodernes Denken wider: Die Wahrheit gibt es nicht. Es gibt Wahrheiten, darüber kann man sich austauschen.

2015

Die Berufung Dr. Dieners in das höchste Gremium der Evangelischen Kirche unterstreicht dessen fragwürdige Rolle bei der gezielten Annäherung der Evangelikalen an die liberal-ökumenischen Großkirchen. Konservativen Widerstand gegen diesen pro-ökumenischen Kurs gibt es nur noch vereinzelt und verhalten, und eher an der Basis, die ohnehin nichts zu sagen hat. Dr. Michael Diener: „Ein Bekenntnis zur Bibel als Gottes Wort ist zwar in der EKD heute nicht mehr selbstverständlich, das heißt aber nicht, dass man sie als Wort Gottes leugnet.“ Jürgen Werth: „Niemand kommt mehr an uns Evangelikalen vorbei.“ Offenbar geht es ihm um Anerkennung in der EKD und in der Welt. „Gut, dass inzwischen ein ordentlicher Teil der Pfingstler und Charismatiker zu uns gehört. (…) Wir müssen mehr Frauen in die Leitungsgremien berufen.“ Dr. Michael Diener: „In Sachen Homosexualität sollte man auch andere Auslegungen der Heiligen Schrift in dieser Frage stehen lassen. Wenn Menschen diese Frage für sich geistlich geklärt haben und der Meinung sind, dass die biblischen Aussagen über Homosexualität ihre Lebenssituation nicht treffen, dann sollten wir es möglich machen, dass sie bei uns angenommen sind und mitarbei-ten können.“ Anmerkung: Die Rheinische Kirche sagt Ja zur Homotrauung und beruft sich auf Pietisten-Präses Diener.

Noch ein paar Streiflichter von der Allianzgebetswoche 2016:

In Frankfurt am Main betet man für die Einheit der Christen, dass sich deutsche und internationale Gemeinden mehr vernetzen und gemeinsame Aktionen durchführen. In Schorndorf hat man einen großen roten Briefkasten vorm Rathaus aufgestellt, in den man Postkarten mit Gebetsanliegen werfen kann. In zahlreichen Gebeten ging es auch um die Hoffnung auf mehr Einmütigkeit in der evangelikalen Bewegung. Hartmut Steeb: Die Beteiligung katholischer Christen an der Allianzgebetswoche habe weiter zugenommen. Im Abschlussgottesdienst in Ravensburg predigte der katholische Theologe Roland Abt. Viel Zuspruch hatten Lobpreisgottesdienste und Gebetskonzerte wie in Marburg, wo etwa 430 Besucher zusammen mit dem Musiker Albert Frey „beten, genießen und nachdenken“ konnten. Allianzvorsitzender Dr. Michael Diener: „Es gab klassische Abendveranstaltungen, aber auch Gebetsspaziergänge und Gebetskonzerte sowie Beten an politischen Orten, an denen sich oftmals auch politische Verantwortungsträger beteiligten.“ Ein Einwurf von Pastor Ulrich Rüß: „Die theologische Position von Diener, die unklare Bekenntnishaltung des Gnadauer Verbandes zu den in den Landeskirchen öffentlich vertretenen Irrlehren sind eine Herausforderung an alle an Bibel und Bekenntnis Gebundenen.“

Inzwischen hat sich der Kurs der Allianz radikal verändert

Der alte Mann hat seine Entscheidung, sich von der DEA zu distanzieren, nicht leichtfertig getroffen. Er war viele Jahre mit vielen Glaubensgeschwistern der DEA im Glauben verbunden und ist es heute noch. Schweren Herzens musste er in den letzten Jahren zur Kenntnis nehmen, dass die DEA nicht mehr ist, was sie einmal sein wollte. Sie wollte eine Bewegung sein, in der sich an Jesus Christus Glaubende über Gemeindegrenzen hinweg treffen und miteinander beten wollten. Inzwischen hat sich der Kurs der Allianz radikal verändert. Es geht um eine Einheit um jeden Preis, auch mit Verächtern der biblischen Lehre. Der Kurs der Allianz bewegt sich rasant weg vom Wort Gottes. Dieser neue Kurs wird vorangetrieben auch gegen den Willen der Basis. Das hat zur Folge, dass viele die Reihen der Allianz verlassen, weil sie nicht mehr ihre geistliche Heimat sein kann. Obwohl die Führenden diesen Kurswechsel gezielt herbei-führen, gibt es auch in den eigenen Reihen vermehrt Kritik und Widerstand. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Die Allianz hat sich voll dem Zeitgeist angepasst. Bibeltreue Christen werden als „altmodische, starrsinnige und ewig gestrige Fundamentalisten“ und als „Wortterroristen“ verunglimpft. Die DEA ist offen für viele unbiblische Strömungen. Sie will in der Gesellschaft beachtet und geehrt werden und geht dafür viele Kompromisse ein. Sie vertritt ein verschwommenes Christentum. Es gibt keine absolute Wahrheit, alles ist gleich richtig und gleich gültig. Verschiedene sich widersprechende „Wahrheiten“ werden akzeptiert, alles ist richtig, alles wird „stehengelassen“. Diesen Kurs kann der alte Mann nicht mehr guten Gewissens mitgehen. Das sehen neuerdings auch manche führende Evangelikale ebenso und gehen auf Abstand zur Allianzführung. Statt der angestrebten Einheit um jeden Preis droht eine Spaltung. Wird sich die DEA wieder der Autorität des Wortes Gottes unterwerfen? Gibt es noch Hoffnung auf Umkehr?

Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je,
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.

Philipp Spitta