23. Oktober 2017

Sarrazin prangert Berichterstattung zur Asylkrise an

Quelle: jungefreiheit.de

Thilo Sarrazin: Berichterstattung zur Asylkrise ist einseitig Foto: Thomas Schneider/agwelt

Thilo Sarrazin: Berichterstattung zur Asylkrise ist einseitig Foto: Thomas Schneider/agwelt

HAMBURG. Der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die Berichterstattung zur Asylkrise kritisiert. Durch die emotionale und völlig einseitige Berichterstattung in den Medien, vor allem des Fernsehens, werde „ein gewaltiger Meinungsdruck in dieser Frage hergestellt“, beklagte Sarrazin in einem Interview mit der Zeit.

„Die allermeisten trauen sich vermutlich gar nicht mehr, ihre Ängste und Meinungen offen auszusprechen.“ Es gebe in der Gesellschaft eine große unterdrückte Wut auf die „konzeptionslose und verfehlte Regierungspolitik in Sachen Einwanderung und Flüchtlinge“, warnte er. Diese Unzufriedenheit sei keineswegs bloß auf Sachsen beschränkt.

Sarrazin sprach sich zudem dafür aus, Einwanderer aus dem Balkan ohne Asylverfahren sofort wieder abzuschieben. Das Asylrecht dürfe nur für Menschen gelten, die politisch verfolgt seien oder vor einem Völkermord flöhen, nicht aber für jeden, „der in einer Diktatur oder einer unvollkommenen Demokratie“ irgendwie unterdrückt werde.

„Ein Asylrecht wie das gegenwärtige bedeutet, daß im Grunde 80 Prozent der Weltbevölkerung wegen ihrer heimatlichen Verhältnisse bei uns sein können. Das ist auf Dauer nicht haltbar“, gab Sarrazin zu bedenken.

Auch CSU-Politiker Friedrich geißelt Medien

Scharfe Kritik äußerte der Bestsellerautor auch an arabischen Staaten, die keine Flüchtlinge aufnähmen. Verantwortung für die Menschen aus Syrien und dem Irak trügen in erster Linie die arabischen Nachbarstaaten sowie die Golfstaaten und Saudi-Arabien, „die vor Geld stinken und keinen einzigen fremden Araber und Glaubensgenossen aufnehmen“.

Kritik an der Berichterstattung zur Asylkrise äußerte auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Friedrich (CSU). „Die Medien machen auf Willkommenskultur“, sagte er am Dienstag in Berlin laut einem Bericht des Handelsblatts. Die Meinung auf der Straße, die er in Bürgergesprächen mitbekomme, weiche davon fundamental ab.

„Die veröffentlichte Meinung und die öffentliche Meinung sind 180 Grad auseinander“, kritisierte der ehemalige Bundesinnenminister. „Die Presse ist dabei, bestimmte Fakten auszublenden.“ Die deutschen Medien würden dadurch unglaubwürdig. „Die Leute wollen informiert werden. Sie wollen nicht die politische Meinung eines Redakteurs, der Stimmung macht – zum Beispiel in der aktuellen Diskussion.“ (krk)