11. Dezember 2017

Bayerische Tradition im Visier von Gleichstellungsbeauftragter

Quelle: jungefreiheit.de

Bayern

PASSAU. Ein abgesagtes Sportfest an der Universität Passau, bei der ein Fensterlkönig ermittelt werden sollte, hat bei Studenten für Unmut gesorgt. Ursprünglich planten die Veranstalter als Gaudi einen Hindernislauf für junge Männer in Trachtenkleidung, bei dem als Preis die Geliebte auf dem Balkon warte. Aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten Claudia Krell eine sexistische Diskriminierung. Auch ein weiter Wettbewerb, „Wife Carrying“, erweckte ihren Unmut.

Die Universität habe den gesetzlichen Auftrag und das Leitbild, Männer und Frauen gleich zu behandeln, heißt es in einer Stellungnahme. Auch offizielle Veranstaltungen müssen dem entsprechen, „alles andere wäre gesetzeswidrig“. Zudem werden hier Frauen als Objekt behandelt. Als Kompromißvorschlag wurde angeboten, Frauen beim Fensterl-Wettbewerb zuzulassen. „Wir haben auch Sinn für Humor“, sagte eine Sprecherin gegenüber Focus-Online.

„Bewusst stereotype Geschlechterbilder reproduziert“

Die Studenten dagegen zeigten sich verärgert. „Seit Monaten organisieren wir alles. Dann meldet sich die Gleichstellungsbeauftragte eine Woche vorher telefonisch bei mir und verlangt, die Regeln zu ändern“, sagte Sport- und Mathematikstudent Niko Schilling gegenüber der Passauer Neuesten Nachrichten. „Wenn ich die Regeln ändere und Männer auf den Balkon stelle und Frauen die Leiter hochklettern, hat das nichts mehr mit Tradition zu tun.“ Auch würden sich keine Frauen anmelden.

Kritisiert wurde von der Universitätsleitung auch der „Wife Carrying“-Wettbewerb, bei der ein Teilnehmer seine Geliebte über Hindernisse tragen muß. Als Siegprämie winkt das Gewicht der Frau in Bier, mindestens jedoch 49 Kilo. Bei dieser Veranstaltung werden „bewusst stereotype Geschlechterbilder reproduziert“, empörte sich Pressesprecherin Katrina Jordan. Frauen würden auf ihr Geschlecht reduziert. Als Konsequenz sagte die Studentenschaft den Fensterlwettbewerb ab.

Verwundert über die Haltung der Universitätsführung zeigt sich Rechtsprofessor Holm Putzke. „Wenn man in dieser Richtung weitermacht, könnten demnächst auch Aufführungen von Romeo und Julia auf dem Index stehen.“ Wenn verlangt werde, das Konzept vom Fensterln zu ändern, ließe sich durchaus von einem Verbot sprechen. Die Gleichstellungsbeauftragte habe sich mit ihrer Stellungnahme zudem außerhalb des vom Gesetz zugewiesenen Aufgabenbereichs bewegt. (FA)