18. Oktober 2017

AfD: Normalität kehrt ein

Quelle: jungefreiheit.de

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von Marcus Schmidt

Wochenlang hat der Streit um die künftige Führungsstruktur die AfD in Atem gehalten. Zeitweise sah es so aus, als würde sich die Partei noch vor dem Satzungsparteitag an diesem Wochenende auf öffentlicher Bühne in ihre Einzelteile zerlegen. Und dann das: Mit deutlicher Mehrheit haben die in Bremen versammelten rund 1.700 AfD-Mitglieder am Sonnabend dem Kompromißvorschlag des Bundesvorstands zur künftigen Parteispitze zugestimmt.

Ab April wird die AfD statt von drei, nur noch von zwei Sprechern geführt. Nach dem für November angesetzten Programmparteitag wird die Partei dann nur noch einen Vorsitzenden haben. Das wird aller Voraussicht nach Bernd Lucke sein.

Schmerzhaft für einige Parteimitglieder

Mit dieser Entscheidung hat die AfD ihre turbulente Gründungsphase endgültig abgeschlossen. An der Spitze der Partei kehrt so etwas wie Normalität ein. Das mag von vielen AfD-Mitgliedern, die ihre Partei als Gegenentwurf zu den „Altparteien“ verstehen, und das am liebsten auch in der Führungsstruktur abgebildet sehen würden, schmerzhaft sein. Doch am Ende haben sich wohl viele einen Ruck gegeben, um das „Projekt AfD“, das auf absehbare Zeit nicht ohne Bernd Lucke auskommt, nicht zu gefährden. Denn ein Abschied Luckes von der Parteispitze war bei einer Niederlage nicht vollständig ausgeschlossen.

Es hat sich in Bremen zudem gezeigt, daß diejenigen Mitglieder, die im Internet und auch auf dem Parteitag besonders lautstark auftreten, nicht unbedingt auch die Mehrheit der Mitglieder hinter sich haben. Bernd Lucke hat in Bremen seinen Willen durchgesetzt. Ob sich die Entscheidung am Ende auch für seine Partei als Gewinn erweist, ist jetzt noch nicht abzusehen.

Nicht alle trauen Lucke

In der AfD trauen Lucke nicht alle zu, die unterschiedlichen Parteiflügel gleichmäßig zu repräsentieren. Er muß daher künftig zwischen den verschiedenen Interessen innerhalb der Partei noch mehr als bisher vermitteln. Ab Dezember hat er keine Sprecherkollegen mehr, die ihm dabei zur Seite stehen. In seiner Rede vor dem Parteitag („Der Vorstand war stümperhaft“), die manche seiner Vorstandskollegen als persönlichen Angriff gegen sich empfunden haben, war dieser Wille zum Ausgleich noch nicht zu erkennen.

Doch wenn Lucke rasch in die Rolle des flügelübergreifenden Parteivorsitzenden hineinfindet und seinen Machtzuwachs nicht dazu nutzt, in der Partei nach seinen Vorstellungen „durchzuregieren“, dann könnte sich die Partei endlich wieder darauf konzentrieren, wofür sie vor zwei Jahren gegründet wurden: Eine wirkliche Alternative zu den etablierten Parteien zu bieten. In den Parlamenten – und mittelfristig auch in den Regierungen.