12. Dezember 2017

Auf dem Weg zur schönen neuen Welt

Quelle: jungefreiheit.de

Foto:  Sigrid Roßmann/pixelio.de

Foto: Sigrid Roßmann/pixelio.de

von Dieter Stein

Die Idee ist atemberaubend: Apple und Facebook als innovative Megakonzerne der digitalen Industrie beschreiten neue Wege, in die Lebensplanung ihrer Mitarbeiterinnen einzugreifen. Unter dem Stichwort „Social Freezing“ bieten sie künftig jungen Mitarbeiterinnen an, auf Kosten der Firma Eizellen einfrieren zu lassen. Die Frauen sollen dann die „Freiheit“ haben, sich auch über den von der Biologie vorgegebenen Zeitraum hinaus einen Kinderwunsch erfüllen zu können. Ein Autor der FAZ sieht darin die verlockende Chance, die Fruchtbarkeit der Frau „wie die des Mannes praktisch endlos aufzuschieben“, wovon „zweifellos eine emanzipatorische Kraft“ ausgehen werde.

Tatsächlich ist der Begriff „Social Freezing“ doppeldeutig. Hinter dem freundlichen Angebot, Frauen bei der Familienplanung zu „helfen“ und aus „sozialen Gründen“ Eizellen einzufrieren, muß uns eine Zukunftsvision erschüttern, in der die soziale Funktion der Familie erkaltet und stirbt.

Eine Dystopie wird Wirklichkeit

Eine Technologie, die geschaffen wurde, um bedauernswerten Ausnahmefällen zu einer Schwangerschaft und spätem Glück zu verhelfen, öffnet die Tür zu jener „Schönen neuen Welt“, die Aldous Huxley in seinem Roman – vor achtzig Jahren! – ahnungsvoll beschrieben hat. Huxley entwirft eine Gesellschaft, in der Schwangerschaft nur noch als etwas Obszönes aus finsterer Vergangenheit wahrgenommen wird. Kinder werden durch künstliche Befruchtung in Fabriken („City-Brütern“) nach Plan produziert und in staatlichen Zuchtanstalten („Frühlernstation mit neopawlowscher Konditionierung“) aufgezogen. Dort werden sie auf dieses Gesellschaftsmodell programmiert, das die Familie überflüssig gemacht hat. Alle arbeiten, sind glücklich, konsumieren und Sexualität ist von Fortpflanzung endgültig entkoppelt.

Wir sind auf bestem Wege dorthin. Die von rot-grünen Ideologen und von Christdemokraten weitgehend widerstandslos hingenommenen „Bildungspläne“ transportieren im Sinne des „Gender Mainstreaming“ die Auflösung der Geschlechter, der Geschlechtlichkeit, der Biologie. Auf den größten Widerstand stoßen diese Umerziehungspläne in der traditionellen Familie, die sich diesem Umbau verweigert. Diese – im doppelten Sinne – Keimzelle des Menschen wird mit aller Macht unterminiert.

Die Idee von Apple und Facebook bereitet der umfassenden Rekrutierung der Frauen für die Erwerbswirtschaft den Weg. Dafür muß die Mutterschaft von der Frau abgetrennt, am Schluß zerstört und technologisch ersetzt werden. Ein Alptraum. „Genormte Männer und Frauen in konstanten Mengen“, beschreibt Huxley das Ziel. In seiner Welt sind die Begriffe „Vater“ und „Mutter“ – weil nicht mehr existent – so obszön wie der Begriff „Schwangerschaft“. Das Wort „Eltern“ läßt Huxleys neuen Menschen peinlich berührt erröten.

JF 44/14