20. Oktober 2017

Pakistan: Christen in einem krisengeschüttelten Land

Quelle: OpenDoors

Pakistan

(Open Doors) – Aus aller Welt strömen Medienberichten zufolge „Heilige Krieger“ nach Syrien und in den Irak, um sich der islamistische Miliz IS anzuschließen. Viele ihrer Gesinnungsgenossen leben in Pakistan, dem nach Indonesien bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt. Nun sind im Nordwesten des Landes Werbematerialien der IS aufgetaucht. Die Christen vor Ort sind alarmiert, zumal in Pakistan gleich mehrere gefährliche Konflikte schwelen und das Land destabilisieren.

Militäroffensive gegen Taliban

Waziristan, das unwegsame Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, gilt schon länger als Rückzugsort islamischer Extremisten. Mitte Juni begann die pakistanische Regierung dort mit einer Militäroffensive gegen das Taliban-Netzwerk Tehreeke-Taliban Pakistan (TTP), das aus über 35 Gruppen besteht. Die Angriffe der pakistanischen Armee wurden bis in den August hinein fortgesetzt. Als Folge wurden mindestens 700.000 Bewohner Nord-Waziristans aus dem Land vertrieben, mehr als 1.200 von ihnen sind Christen.

Die Kirchen helfen

Im Gespräch mit dem Informationsdienst World Watch Monitor sagte der Regionalvorsitzende des Arbeitnehmerverbandes kultureller Minderheiten, Khalid Iqbal: „In den ersten zwei Wochen nach unserer Flucht gab es für uns keine Hilfe von der Regierung. Aber die pakistanische Kirche versorgte uns mit Nahrung und Obdach.“ Bischof Peters S. Humphrey von der Diözese Peshawar erklärt: „Wir haben unsere Türen auch für andere Minderheiten geöffnet. So leben hier momentan ungefähr 12 Hindus und vier schiitische Familien gemeinsam mit den Christen.“

Alltag der Christen unter den Taliban

Die einheimische Bevölkerung Waziristans ist das Stammesvolk der Paschtunen. Da die Christen keine Paschtunen sind, wurden sie den lokalen Sitten entsprechend von den Taliban relativ gut behandelt. Iqbal schildert, die Taliban hätten zwar alle Männer angewiesen sich Bärte wachsen zu lassen, Minderheiten seien von dieser Anordnung jedoch ausgenommen. „Einmal nahmen sie mich gefangen, weil ich mich rasiert hatte. Nachdem ich ihnen jedoch erklärt hatte, dass das Christentum keinen Bart vorschreibt, ließen sie mich gehen.“ „Als die Taliban merkten, dass die Christen friedliebende Menschen sind“, so Iqbal, „ließen sie sie unbehelligt.“ Frauen müssen sich allerdings dem Gebot der Verschleierung unterwerfen und sich von Zusammenkünften mit Männern fernhalten. Mädchen wird außerdem oftmals der Zugang zu schulischer Bildung verwehrt.

Nach dem blutigen Anschlag auf die All Saints Kirche in Peshawar im September 2013 äußerten einige nordwazirische Taliban ihr Bedauern gegenüber ihren christlichen Mitbürgern, manche sandten sogar „eine Nachricht des Mitgefühls und des Beileids“. Auf der andren Seite macht Iqbal die pakistanische Regierung dafür verantwortlich, dass die große Mehrheit der Christen in Nord-Waziristan sich als Putzfrau oder Straßenkehrer verdingen muss. Damit ist ein soziales Stigma von Unsauberkeit und Erniedrigung verbunden. Außerdem berichtet Iqbal, dass die sonntäglichen Gottesdienste nun auf offener Straße stattfinden, und dass trotz wiederholter Anfragen, die Regierung nicht gewillt sei, ihnen ein Gebäude bereitzustellen.

Stabilität in weiter Ferne

Aktuell bereiten den Christen noch zwei Entwicklungen große Sorge: Zum einen kommt es in der Hauptstadt Islamabad seit Wochen zu blutigen Zusammenstößen bei Protesten gegen die Regierung. Zum anderen haben starke Regenfälle zuletzt wieder für Überflutungen gesorgt. Hiervon sind Christen besonders betroffen, da zahlreiche christliche Siedlungen in Ufernähe liegen. Auf dem Weltverfolgungsindex rangiert Pakistan aktuell an achter Stelle. Die Christen bitten dringend um Gebet für ihr Land, besonders aber für ihre Lage als Minderheit.