17. Oktober 2017

Indien: Deutliche Zunahme der Übergriffe gegen Christen

Quelle: OpenDoors

Foto: A.Dreher/pixelio.de

Foto: A.Dreher/pixelio.de

(Open Doors) – Während der ersten 100 Tage der neuen indischen Regierung unter Präsident Narendra Modi und der nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) ist es zu über 600 Angriffen auf Christen und andere Minderheiten gekommen. Bei einer Zusammenkunft von christlichen Leitern und Minderheitenvertretern in Neu Delhi am 4. September wurden neben dieser Zahl zahlreiche konkrete Fälle veröffentlicht und der Verdacht geäußert, es stecke ein System hinter der stark gestiegenen Zahl der Übergriffe.

Kirche wird zum Hindutempel

Am 27. August führten extremistische Hindus ein „Reinigungsritual“ in dem Gebäude einer Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten durch. Eine Großfamilie in dem 160 km südlich von Delhi gelegenen Dorf Asroi war angeblich zum hinduistischen Glauben „zurückgekehrt“, ihre Kirche wurde zu einem Hindutempel umgewidmet. Die Initiatoren veröffentlichten Fotos und gaben eine Pressemeldung heraus, in der von 72 Konvertiten aus einer niedrigen Kaste die Rede war. Eine „Propagandaaktion“ nennt dies der christliche Aktivist Sunder Singh, der dem Bericht nachgegangen ist und das Dorf besucht hat. Der katholische Priester Dominic Emmanuel bestätigt das und ergänzt: „In dem ganzen Gebiet leben nur fünf christliche Familien mit insgesamt 30 Mitgliedern.“ Leider habe der für sie zuständige Pastor sie nur unregelmäßig besuchen können, dies hätten die Fundamentalisten ausgenutzt.

In demselben Distrikt stoppte die Polizei eine Gruppe Hindus bei dem Versuch, ein vergleichbares Ritual in einer weiteren Kirche durchzuführen. Am 30. August wurden in dem Dorf Aligarh am Stadtrand von Neu Delhi zwölf Pastoren verhaftet, da man sie der „Zwangsbekehrung“ von Hindus zum christlichen Glauben verdächtigte. Ein örtlicher Parteiführer der regierenden BJP hatte unter diesem Vorwand zunächst eine lautstarke Protestkundgebung gegen ein reguläres Gebetstreffen organisiert. Im Zuge der Verhaftung prügelten Polizeibeamte auf einige der Pastoren ein, scheinbar um die aufgebrachte Menge zu beruhigen. Der örtliche Polizeichef betonte auf Rückfragen zu dem Vorfall hin: „Dies ist ein hinduistisches Land.“ Die Pastoren wurden kurzfristig wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem sich die erhobenen Vorwürfe als unbegründet erwiesen hatten. Es habe sich tatsächlich um ein reguläres Gebetstreffen gehandelt, so das Resümee der Polizei.

„Indien den Hindus“

Radikale Hindus vertreten die „Hindutva“-Ideologie und streben damit ein rein hinduistisches Indien an, in dem Andersgläubige keinen Platz haben. Die seit Mai 2014 regierende BJP ist eine Verfechterin dieser Ideologie. John Dayal, Generalsekretär des Gesamtindischen Christenrats (AICC) sieht einen Zusammenhang zwischen den jüngsten Vorfällen: „Es gibt eine klare Strategie und einen Plan dahinter, denn diese Übergriffe weiten sich aus.“

Bestätigt wird diese Sicht durch mehrere jüngere Vorfälle, bei denen Angehörige der kastenlosen „Dalits“ zum Islam konvertiert waren und daraufhin öffentlich von Hindu-Extremisten gezwungen wurden, zum Hinduismus zurückzukehren. Der prominente Sozialaktivist Shabnam Hashmi wies daraufhin, dass es in den 100 Tagen seit dem Regierungsantritt über 600 gewaltsame Übergriffe gegen Angehörige von Minderheiten gegeben habe.

Auf dem Weltverfolgungsindex rangiert Indien aktuell an 28. Stelle. Open Doors unterstützt die einheimischen Christen durch Schulungen, Nothilfe- und Selbsthilfeprojekte.