23. Oktober 2017

Prozeß gegen „Antifa-Pfarrer“ beginnt im November

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Thomas Schneider/agwelt

Foto: Thomas Schneider/agwelt

DRESDEN. Ein neuer Prozeß gegen den evangelischen Jugendpfarrer Lothar König soll im November beginnen. Dem Stadtpfarrer aus Jena wird vorgeworfen, am 19. Februar 2011 in Dresden von einem Lautsprecherwagen aus linksextreme Demonstranten aufgehetzt und koordiniert zu haben. Bei den Ausschreitungen wurden mehr als hundert Polizisten verletzt, einige davon schwer. Der Verhandlungsbeginn ist für den 10. November vorgesehen.

Ein erstes Verfahren wurde nach sieben Verhandlungstagen im Juli 2013 abgebrochen, nachdem neue Beweise aufgetaucht waren. Insbesondere die Auswertung von rund zweihundert Stunden Videomaterial machten eine Unterbrechung nötig. Juristisch handelt es sich nicht um eine Fortsetzung, sondern um einen Neubeginn des Verfahrens. „Der ganze Prozeß wird noch einmal von vorne begonnen“, bestätigte eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur dpa.

Gut vernetzt und skandalresistent

Der sechzigjährige König, der zu DDR-Zeiten Montagsdemonstrationen mit organisierte, gilt in der linken Szene als Autorität. Die von ihm betreute und geleitete Junge Gemeinde Stadtmitte (JG) in Jena ist seit vielen Jahren für ihre Skandale bekannt. Unter anderem wurden bei Razzien Graffiti-Utensilien, Farbbeutel und Haschisch gefunden. „Unsere Themen sind oft politisch, antifaschistische Gedanken häufig“, beschreibt König seine Jugendgruppe.

Das Renommee des Theologen, der 2013 sowohl den „Thüringer Demokratiepreis“ als auch den „Jenaer Preis für Zivilcourage“ erhielt, ist auch von den jüngsten Vorwürfen nicht beschädigt worden. So forderte unter anderem der damalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) eine sofortige Einstellung des Verfahrens. (FA)